Reisebericht Lissabon -
  eine Stadt mit vielen Gesichtern

Ein Reisebericht aus der Hauptstadt von Portugal
   mit 58 Bildern



Lissabon, Bairro Alto

Unterwegs im Stadtteil Bairro Alto in Lissabon: Überall wieder gibt es einladende Lokale - und tolle Ausblicke auf die Stadt.

Da rumpelt sie nun dahin, die Straßenbahn. Die Geschwindigkeit, die sie anschlägt, hatte ich ihr nicht im Geringsten zugemutet! Die kleinen Wagen der Linie 28, gar nicht zu Zügen zusammengehängt, sondern fast immer als Einzelwagen unterwegs, sehen nämlich sowohl von außen, als auch von innen, geradezu altertümlich aus. Historisch, mit ihren ca. 16 Sitzplätzen. Nun zieht die Bahn allerdings flott und richtig kraftvoll durch die oft extrem schmalen und steilen Gassen des Lissabonner Stadtviertels Alfama. Und sowohl die Straßenbahnlinie 28 als auch der Stadtteil Alfama sind ein absolutes Muss, wenn man Lissabon, der Hauptstadt von Portugal, einen Besuch abstattet!

Und genau das tat meine vierköpfige "Jungs-Reisegruppe" als diesjährige Städtereise über ein langes Wochenende - sechs Tage, Mitte März 2010 (unsere vorangegangenen Reisen sind im Reisebericht Valencia und von der Kombitour im Reisebericht Tallinn bzw. Reisebericht Helsinki nachzulesen - es öffnet beim Anklicken jeweils ein neues Fenster).

Lissabon, in der Baixa

Unterwegs im zentralen Stadtteil von Lissabon: Der Baixa. Ab dem ersten Stock sehen viele Häuser desolat aus... Im Hintergrund zu sehen: Der Aufzug "Elevador de Santa Justa", mit dem man bequem in den höher gelegenen Stadtteil Chiado gelangen kann.

 

 

 

Der erste Eindruck von Lissabon war allerdings nicht sonderlich schön. Die Innenstadt Baixa empfing uns vor allem mit grauen und teilweise oder auch komplett unbewohnten Häusern, mit bröckelndem Putz, nicht wenigen durchaus zwielichtig erscheinenden Personen und Temperaturen ähnlich wie daheim.

Irgendwie hatten wir uns Lissabon gepflegter, prachtvoller, netter, lebendiger - eben schlicht schöner vorgestellt, als wir uns dieses Ziel ausgesucht hatten.

Lissabon, Fußballfans

Fußballfans von Atletico Madrid treffen sich auf dem Platz "Praça da Figuera" und stimmen sich auf ein Europapokal-Spiel gegen Sporting Lissabon ein. Nach dem Spiel liefern beide Seiten sich dann brutale Straßenschlachten. Spanier und Portugiesen - das geht offenbar immer noch nicht problemlos.

 

 

 

Das mit durchaus gepfefferten Preisen versehene, aber zentral gelegene Hotel ließ uns gleich um die Ecke in die Innenstadt mit der Shopping-Meile gelangen, in die "Baixa". Und wie schon erwähnt: wir waren von dem Zustand des Stadtteils eher erschreckt. Die Hauptstraße Rua Augusta mag ja noch einigermaßen gepflegt aussehen, aber schon in den Querstraßen oder den nächsten Nebenstraßen fanden sich viele vier- bis fünfgeschossige Gebäude, die unbewohnbar wirkten, oder tatsächlich gar unbewohnt sind - mitten im Zentrum einer Großstadt! Immerhin waren die vielen spanischen Fußballfans aus Madrid ein etwas belebendes Element. Die warteten hier auf das abendliche Europapokalspiel ihres Klubs Atletico Madrid bei Sporting Lissabon. Laut Fernsehberichten lieferten sie sich nach dem Spiel brutale Straßenschlachten mit den Lissabonner Fans - Spanier und Portugiesen seien wie Hund und Katz, wurde uns berichtet. Aber für uns blieb das bei unserem Lissabon-Besuch nur eine Randnotiz.

Mein Reiseführer in Buchform weiß zu berichten, dass in diesem zentralen Stadtteil Baixa 1960 einmal 40.000 Menschen lebten - heute seien es nur noch 2.000. Was er nicht erklärt: Warum sind es jetzt so wenige? Und: Was ist denn hier los?

Die Antwort erhalten wir ein paar Tage später bei dem Besuch eines seit über zehn Jahren in Portugal lebenden Freundes eines Mitgliedes unserer Gruppe. Eine durchaus betrübliche Antwort: Wie wohl in allen Innenstädten der Welt trieb auch in Lissabon der Mietpreis Blüten und wurde in immer höhere Höhen geschraubt. Bis zu der "Nelken-Revolution" im Jahre 1974, bei der die zuvor diktatorisch herrschende Militärjunta hinfort gespült wurde. Glücklicherweise! Die hierauf folgende sozialistisch geführte Regierung ordnete dann jedoch kurzerhand an, dass die Mietpreise in diesem Viertel dramatisch zu senken seien. Der Mietzins wurde so dermaßen niedrig, dass die Hauseigentümer nicht fähig waren, überhaupt noch Geld für die Pflege und Erhaltung der Gebäude aufzubringen. Der Beginn eines gewaltigen Niedergangs (den umzukehren heute ganz offenbar schwer fällt) - und ein weiterer Hinweis dafür, dass Sozialismus manchmal einfach nur kurz gedacht ist...

Die zumeist durchaus schicken Geschäfte in den untersten Etagen der Häuser können nicht wirklich darüber hinweg täuschen, dass fast das ganze Viertel einen eher morbiden Charme hat. Bei einigen Häusern scheint der Verfall nahe zu sein.

Lissabon, Praça do Comércio

Der riesige Praça do Comércio - zur Zeit unseres Aufenthalts leider nur eine Großbaustelle.

 

 

 

Geht man am Ende der Straße Rua Augusta durch den Triumphbogen, gelangt man an den Praça do Comércio, ein riesiger Platz direkt am Fluss Tejo gelegen (jemand aus unserer Gruppe hatte eine alte und sehr unschöne Erinnerung hieran - war ihm hier doch vor Jahrzehnten mal eine Kamera gestohlen worden). Dies konnte ihm diesmal nicht passieren: der Platz war eine riesige Baustelle - und somit komplett unzugänglich. Obwohl: Eigentlich ja schade!

 

 

 

Aber trotzdem: der Blick über den an dieser Stelle ca. zwei Kilometer breiten Fluss Tejo ist grandios, großartig! Immerhin hat man an hier auch überhaupt mal die Möglichkeit, an den Fluss zu gelangen. Dies ist, wie sich später zeigen wird, nur an ganz wenigen Stellen in Lissabon möglich. Meist verbieten große Straßen, Industrie- und Hafenanlagen einen Gang an den Fluss.

Lissabon, Tejo-Brücke

Die Tejo-Brücke des 25. April ist mit 2,3 Kilometer die zweitlängste Hängebrücke der Welt.

 

 

 

Zur unserer Rechten liegt die gigantische "Brücke des 25. April", die genau so aussieht, wie ich mir die Golden-Gate-Bridge in San Francisco immer vorgestellt habe (immerhin hat sie die gleiche Farbe - aber ansonsten unterscheiden sich doch einige Details).

Immerhin gelang es uns noch, in der Baixa abends gegen fünf eine Lokalität zu finden, um etwas essen zu können! Der Inhaber wurde aber mit der Zeit spürbar unruhiger und missmutiger: er wollte seinen Feierabend! Und nicht noch ein paar dahergelaufenen Norddeutschen ein weiteres Bier servieren. Hier bekommen wir dann auch eine erste Lektion darüber, dass so einige Portugiesen (oder sollte ich besser schreiben: Lissaboner?) ganz schön brummelige und lustlose Zeitgenossen sein können!

Oder, wohl korrekter: Ihren eigenen, sonderbar schrägen Humor haben. Wie ich zum Beispiel auch am kommenden Morgen lernte, im Hotel. An dem Tisch für uns vier gab es beim Frühstück nicht genügend Geschirr und Besteck. Als ich einen der zahlreich herumwuselnden Kellner fragte, ob er eine Tasse und Besteck für mich habe, schaute er mich erst sehr erschreckt an, dann mitleidig den Kopf Seite gelegt höre ich ihn dann mit weicher Stimme sagen "Oh - oh, no, Sir, I am really sorry!". Nun sehe ich wohl so fassungslos aus, dass er losprustet, mich an den Arm tatscht und mich um einen Moment Geduld bittet. Es dauerte aber noch eine ganze Weile, bis ich darüber genauso herzlich lachen konnte...

Insgesamt kriechen wir am ersten Abend, erschöpft nach der langen Anreise mit dem extrem frühen Start, und auch etwas erschreckt in die Falle - da muss doch noch mehr sein in Lissabon als Kühle bei grauem Himmel und fast verfallende Gebäude!

Und tatsächlich: Der zweite Tag bietet zunächst einmal nicht mehr den norddeutsch anmutenden Himmel des Vortages, sondern prallen Sonnenschein mit plötzlich auch frühsommerlichen Temperaturen - was für eine Wohltat!! Immerhin sind wir gerade mal zehn Tage zuvor im heimatlichen Hamburg noch mühsam über Schnee und Eis geschliddert! Und das zuvor durchgehend, monatelang!

Lissabon, Straßenbahn-Surfer

Einheimische nutzen gerne auch mal die Möglichkeit einer kostenlosen Mitfahrt - wenn auch sehr riskant, quasi als "Straßenbahn-Surfer" auf dem Trittbrett vor der Tür.

 

 

 

Auch unser Programm wird besser: Nach dem Kauf einer Tageskarte für Metro, Bus und Straßenbahn (zum durchaus attraktiven Preis von Euro 3,70) springen wir direkt vor unserem Hotel in die legendäre Straßenbahn Nr. 28, die, wie eingangs geschildert, mit ihren kleinen Zügen hinauf fährt auf den Hügel mit dem Stadtteil Alfama. Die Straßenbahn ist rammelvoll mit Touristen - und wahrscheinlich auch mit Taschendieben. Jedenfalls wird mit Schildern vor denen gewarnt. Aber auch einige Einheimische nutzen die Fahrt, um bequem in die höher gelegenen Stadtteile zu kommen. Besonders günstig ist die Fahrt offenbar, wenn man sich draußen auf das Trittbrett der Ausstiegstür stellt und sich irgendwie festhält - wie es auf unserer Fahrt gerade zwei vielleicht zwölfjährige Mädchen tun. Wir beobachten das mit einer Mischung aus Ängstlichkeit um deren Leben - und Respekt vor ihrem Mut. Nun: alles geht gut! Diesmal zumindest.

Lissabon, Aussichtspunkt der Alfama

Einige Aussichtspunkte der Alfama bieten einen grandiosen Ausblick auf Teile von Lissabon.

 

 

 

Im Stadtteil Alfama zeigt sich Lissabon von einer überaus entzückenden Seite! Von den höher gelegenen Punkten kann man eine phantastische Aussicht auf die Dächer des Stadtteils sowie den Tejo genießen. Es gibt eine große Anzahl an durchaus einladende Gaststätten. Und besonders schön ist es, durch die Gassen der Alfama zu streifen. Das Viertel ist sehr eng bebaut, hin und wieder öffnet sich ein kleiner Platz. Alles wirkt trotz der Touristen sehr ursprünglich. Und: Im Gegensatz zu der "Baixa" wirkt in "Alfama" alles gepflegter und liebevoller behandelt - auch, wenn man hier und da schon mal blätternden Putz sieht. Was für ein Glück: Für Autos sind die meisten Gassen meist zu schmal. So bleibt die wunderbare Atmosphäre erhalten. Insgesamt sollte man es auf keinen Fall verpassen, diesen Stadtteil einen ausgiebigen Besuch abzustatten!

Lissabon, in der Alfama

... das sich schnell entwirrt und eine gelassene, gemütliche Ausstrahlung hat, wenn man sich dann hinein begibt.

 

 

 

Auch, wenn man hier nicht umhin kommt, mit einer anderen Erscheinung des Tourismus Bekanntschaft zu machen: Den Bettlern und den Verkäufern von Touristen-Nippes. Diese erweisen sich gerade hier zuweilen als extrem hartnäckig, aber einige von ihnen haben auch ihren eigenen, nun ja, Charme entwickelt. Denn zum Beispiel in Lissabon mit einem fließend Deutsch sprechenden Senegalesen darüber zu diskutieren, wie sicher die einhundert Jahre Garantie tatsächlich sind, mit denen er für seine Kettchen und Armreifen wirbt, das hat schon eigenen Witz! Wir trafen diesen jungen Mann später in Lissabon noch zweimal wieder - und jedesmal gab es ein großes Hallo und Gelächter.

Lissabon, Aussichtspunkt in der Alfama

Und wieder ein netter Aussichtspunkt in der Alfama. Dort fanden wir es wirklich bezaubernd!

 

 

 

Alfama ist auf jeden Fall ein Ort zum verweilen, nehmen Sie sich bei einem Lissabon-Besuch doch ruhig einen ganzen Tag Zeit, um hier herumzustreifen, Ausblicke und liebevolle kleine Details zu entdecken, einen leckeren Galão (Milchkaffee) zu trinken, dazu vielleicht eine Pastel de Nata naschen. Oder, wohl besser noch: nehmen Sie sich doch eine ganze Woche Zeit! Oder einen Monat...

Nach Stunden wieder in die Innenstadt zurück gekehrt, beschlossen wir, unsere Tageskarten weiter zu nutzen und, in alter Gewohnheit ein beliebiges Verkehrsmittel zu entern und einfach bis zu deren Endhaltestelle zu fahren. Wir haben Glück: Als hätte sie es geahnt, fährt uns eine top-moderne Straßenbahn direkt vor die Füße - und bringt uns den Tejo flussabwärts entlang nach Algés. Schon unterwegs gab es eine Menge Interessantes zu sehen: Die Brücke des 25. April (Ponte 25 de Abril) quert unseren Weg, weit über unseren Köpfen. Besonderes Interesse jedoch findet bei uns der Stadtteil Belém - wohin wir dann flugs zurückkehren.

 

 

 

Ausführlich schauen wir uns auf dem Rückweg das Centro Cultural de Belém (CCB) mit seiner wuchtigen, monumentalen, kantigen Architektur an. Sicherlich nicht jedermanns Geschmack, sicherlich irgendwo an der Schnittstelle zwischen schön und hässlich - aber auf jeden Fall ein interessantes Bauwerk. Und auf jeden Fall ein schroff kolossaler Kontrapunkt zu einem anderen, in direkter Nachbarschaft gelegenen gewaltigen Bauwerk.

Lissabon, Centro Cultural de Belém

Kantig und massiv kommt das Centro Cultural de Belém (CCB) daher. Wir fanden es auf jeden Fall interessant!

 

 

 

Denn auch das direkt auf der anderen Straßenseite gelegene Kloster "Mosteiro dos Jerónimos" mit seinen unzähligen, filigranen barocken Elementen ist faszinierend - und wird in meinem Reiseführer schlicht als DIE Sehenswürdig-keit Lissabons und als "DAS Bauwerk der portugiesischen Nation schlechthin" bezeichnet! Was für ein unfassbarer Kontrast zu den eckigen CCB auf der anderen Straßenseite. Da wird einem schnell klar: Was Architektur anbelangt, hat man in Lissabon wirklich Mut!

Auch das in jedem Reiseführer an vorderster Stelle abgebildete Denkmal "Padrão dos Descobrimentos" (das "Denkmal der Entdeckungen") findet sich gleich hier gleich um die Ecke als Reminiszenz an die große, bedeutungsvolle Vergangenheit Portugals als Seefahrernation. Der Präsidentenpalast in der weiteren Nachbarschaft ist da gar keine beachtenswerte Attraktion.

Beim weiteren Rückweg lernen wir eine Menge über portugiesische Zeitrechnung und was es bedeutet, wenn man laut elektronischer Anzeige "fünf Minuten" auf die nächste Bahn zu warten hat. "5 Minuten" darf man in Lissabon (vielleicht ja in ganz Portugal?) eigentlich nur als Synonym für "einen Zeitraum beliebigen Umfangs" ansehen.

Lissabon, Straßenbahn 28

Der Morgen empfängt uns mit Regen - was also gibt es besseres, als noch einmal in die vor der Tür startende Straßenbahnlinie 28 zu steigen und bis anderen Endhaltestelle zu fahren? Schon die Fahrt an sich ist eine tolle Tour durch Lissabon.

 

 

 

Der nächste Morgen empfängt uns dann mit - Regen! Schon über Nacht hatte es sich offenbar kräftig geregnet, den Pfützen nach zu urteilen. Nach dem zur Tradition werdenden Galão im Straßencafé gegenüber, beschließen wir ganz phantasielos, um dem Regen ein Schnippchen zu schlagen, gleich noch einmal in die Straßenbahn 28 direkt vor unseren Füßen zu steigen, unser 24-Stunden-Ticket (sehr ungewöhnlich: es ist in der Tat keine Tageskarte, sondern volle 24 Stunden gültig) ist ja noch eine Weile gültig. Diesmal geht es bis zur Endstation am anderen Ende. Man fährt auf einer zuweilen schon fast abenteuerlichen Strecke quer durch die Innenstadt und endet - ganz wie im richtigen Leben - auf einem Friedhof. Na, wohl eher auf DEM Friedhof Lissabons. Immerhin hat während der Fahrt der Regen aufgehört.

 

 

 

Dieser Friedhof, die Einheimischen nennen ihn den "Friedhof der Vergnügungen", ist eine Besichtigung wert. Auch, wenn man, so wie ich, nicht unbedingt "Fan von Friedhöfen" ist. In beeindrucken-den, zuweilen gewaltigen und pompösen Mausoleen findet man hier seine Letzte Ruhe. Viele Mausoleen lassen einen Einblick darein gewähren, dass hier komplette Familien gemeinsam ihre letzte Ruhe gefunden haben. Der großzügigste Friedhof, den ich bisher kennengelernt habe.

Lissabon, Weg zum Rossio

Typische Straße der Baixa auf den Weg zum nur als "Rossio" bekannten "Praça Dom Pedro IV".

 

 

 

Zurück in der Innenstadt wird erstmal der Rossio, der zentrale Platz von Lissabon in Augenschein genommen (auch hier wird man vor Tasschendieben gewarnt!). Anschließend geht es gemütlich die gewaltige Prachtstraße "Avenida de Liberdade" entlang. Gerade auf dem wunderschönen Rossio (ähnlich, wie auf dem nahegelegenen Platz "Praça da Figueira") hatte ich das Gefühl, dass mir hundert Augenpaare folgten, in der Hoffnung, auf welche Weise auch immer ein schnelles Geld machen zu können. Ich dachte nur eines hier:  Augen auf!! Das gilt aber auch für den schönen Platz selber, der einen genauen Augenschein verdient hat.

Lissabon, Avenida de Liberdade

Die Avenida de Liberdade. Auffällig vor allem anderen natürlich die kunstvoll verzierten Fußwege!

 

 

 

Die Avenida de Liberdade selber ist, obwohl doch die "Prachtstraße" Lissabons, eigentlich keine besonders schöne Straße, finde ich. Abgesehen von dem vielen Verkehr, den großzügigen, von Palmen und Platanen gesäumten Fußwegen und einigen kleinen Parks beherbergt sie nicht allzu viel Spektakuläres. Man kann direkt von der Avenida mit der spektakulären Standseilbahn in den quirligen Stadtteil Bairro Alto fahren (wo, wie wir feststellten, das Leben auf den Straßen mit fortschreitend später Stunde beständig zunahm. Wir älteren Herren ließen allerdings Party für die Jugend Party sein, fanden neben der Party-Szene allerdings einige ursprüngliche, einladende Restaurants). Und am Ende der Straße findet sich ein großer Park, von dessen höchsten Punkt (mit einer sonderbaren, martialisch anmutenden Gedenkstätte, deren Sinn mir nicht bekannt ist) man einen sehr schönen Blick über die Innenstadt und den Tejo hat. Sofern man das Glück hat, klare Sicht genießen zu können... Dieses Glück hatte ich an dem Tag leider nicht - es war sehr diesig.

 

 

 

Besonders auffällig, auf dem Platz, auf der Avenida - aber auch ganz allgemein in Lissabon: Die ausgesprochen kunstvolle Art, die Fußwege zu verzieren! Das Gehwegpflaster wird immer wieder zweifarbig zu schönen Mustern und Formen verlegt. Das fand ich ebenso charakteristisch, wie die Verzierung zahlreicher Gebäude durch bemalte Kacheln. Manchmal hat man hierbei große, gewaltige Bilder geschaffen, zuweilen jedoch auch schlichte Muster. Mir gefiel das außerordentlich gut!

Lissabon, normale Straße

Ein Blick in eine Querstraße der Avenida de Liberdade zeigt: Auch in Lissabon muss man das Schöne manchmal mit der Lupe suchen...

 

 

 

Wenn man darauf achtet, findet man in Lissabon auch an enorm vielen Stellen und Details Andeutungen auf die große und mächtige portugiesische Seefahrt-Tradition. Diese liegt zwar schon Jahrhunderte zurück und mittlerweile ist Portugals Seefahrt eher unbedeutend - aber doch ist immer wieder spürbar, dass man stolz auf die glorreiche Vergangenheit ist. So taucht z.B. der Name Vasco da Gama (der Entdecker des Seeweges nach Indien) immer wieder auf, sei es als Bezeichnung von Straßen, Plätzen oder auch Einkaufszentren.

Doch trotz der Schönheit Lissabons zieht es uns dann doch noch raus aus der Stadt - ein Ausflug in die nördliche Umgebung, zum Atlantik und zur Stadt Sintra nimmt einen ganzen Tag in Anspruch.

Der allererste Eindruck dieser Tour passt in ein Wort - die nördlichen Randgebiete von Lissabon sind schlicht: entsetzlich!! Gewaltige Plattenbausiedlungen mit zehn, zwölf- bis fünfzehngeschossigen Häusern zeugen davon, dass man ganz offenkundig Probleme damit hat, die zuziehenden Menschen überhaupt irgendwo unterzubringen. Trostlosigkeit regiert quadratkilometerweise. Sehr stark fühlte ich mich an sozialistische Plattenbausiedlungen in Osteuropa erinnert.

 

 

 

In diese Siedlungen Lissabons möchte ich wirklich nicht versehentlich in der Nacht geraten! Jede Wette, dass die Überfallquote dann gegen 100 Prozent tendiert... Aber auch das ist eben eine Seite der Stadt Lissabon - wenn auch eine unschöne. Die Schattenseite der portugiesischen Boomstadt. Man kann sich durchaus vorstellen, was in einigen dieser Stadtviertel für eine Entwicklung passieren wird, wenn es der Stadt und seinen Menschen nicht kontinuierlich besser geht in Zukunft und die Wirtschaftskrise das Land noch weiter und noch ernsthafter zerrüttet und Armut um sich greift.

Antlantikküste bei Casal dos Pianos

An der Antlantikküste, bei "Casal dos Pianos". Das Meer tobt - ein wenig. Beeindruckende Felsen, tolle Cliffs und der in dieser verlassene Gegend zufällig auch spazierende Mann scheint zu denken: "Los, fotografiere mich...".

 

 

 

Verlässt man die Stadtgrenzen von Lissabon jedoch weiter, dann wird ein solcher Ausflug sehr lohnend! Vom zu dieser Jahreszeit noch weitgehend unbevölkerten Touristenort bis zur entlegenen kleinen Bucht mit kleinen Klettermöglich-keiten nahmen wir einige Orte (Ericeira, Casal dos Piano, Praia das Maçãs, Praia Grande, nachts dann noch kurz Cascais und Estoril) mit auf unserer Tour an der sowohl wunderschönen wie natürlich auch extrem rauen Küste. Atlantik eben! Nächste Station New York...

Sintra Schloss

Auf jedem Felsen rund um Sintra finden sich Schlösser und Burgen. Hier, in der Ferne, der "Palácio da Pena", in früheren Jahrhunderten die Sommerresidenz der Könige von Portugal.

 

 

 

Einen eigenen Artikel könnte ohne Zweifel die Stadt Sintra wert sein. Ein nicht sehr großer Ort, in dem sich über viele Jahrhunderte die Mächtigen, Reichen und die Schönen Portugals niederließen - und das in einer enormen Anzahl an gewaltigen Schlössern, Burgen, Parks. Unfassbar viel wird hier geboten, fürs Auge und für die Kamera. Kein Wunder, dass Sintra seit 1995 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört!

Wir erreichten Sintra - der Ort war uns als Zielpunkt empfohlen worden und er ist von Lissabon aus auch bequem per 40minütiger Bahnfahrt erreichbar - am Nachmittag gegen 16:30 Uhr. Viel zu spät! Sehr schnell wurde uns klar, dass es hier viel zu viel zu besichtigen gibt, als dass es zu dieser relativ späten Stunde Sinn machen würde, zu versuchen, irgendetwas von dieser Masse zu begreifen. Ein Kaffee im Zentrum dieses selbst zur momentanen Vorsaison von Touristen schon fast berstenden Ortes und ein knapper Blick in die Runde - dann resignierten wir. Schon allein vor der schieren Menge Sehenswürdigkeiten gaben wir auf. Ein kompletter Tag ist das absolute Minimum, wenn man Sintra besichtigen will! Weniger macht überhaupt keinen Sinn!

Cabo da Roca

Hier ist das alte Europa einfach mal zu Ende: Am "Cabo da Roca", nordwestlich von Lissabon. Das aller-westlichste Zipfelchen des europäischen Festlandes, kurz nach Sonnenuntergang. Den fast eisigen Wind kann man auf dem Foto aber nicht erkennen.

 

 

 

Also zog es uns am Abend, zum Sonnenunter-gang, noch zum aller-aller-westlichsten Punkt des gesamten Europäischen Festlandes - zum "Cabo da Roca" (endlich mal wieder etwas für meine Begeisterung für Superlative!). Leider jedoch versteckte sich die Sonne noch vor ihrem eigentlichen Untergang hinter Wolken. Und doch hat dieser Ort auch ohne Sonnenuntergang im Hintergrund eine gewisse Magie: Hier ist unser "altes Europa" nun einfach mal zu Ende! Diese Magie wurde jedoch leider durch einen kräftigen, fast eisigen Wind gestört. Dieser ist bestimmt gewöhnlich hier, wo man fast schon mitten im Atlantik ist. Und doch trieb er uns schnell wieder zurück in unseren Mietwagen - und dann nach insgesamt 257 km (davon allerdings gefühlte 50 km Fahrt innerhalb Lissabons bei dem Versuch, durch die unüberschaubar vielen Einbahnstraßen und Abbiegeverbote zurück zum Hotel zu kommen) kurzweiliger Fahrt zurück in Lissabon.

Lissabon, Seilbahn auf dem Expo-Gelände

Das Expo-Gelände von Lissabon sollte man möglichst auch per Seilbahn in Augenschein nehmen.

 

 

 

Im Jahre 1998 fand in Lissabon die Expo statt - das hierfür erschaffene Gelände am Tejo im nördlichen Bereich Lissabons (heute genannt "Parque das Nações") ist allerdings noch immer durchaus einen Besuch wert! Man findet hier moderne und zuweilen supermoderne Architektur. Ganz in der Nähe die monumentale, Brücke "Vasco da Gama" (da ist er wieder, dieser Name!) über den Tejo (juhuu, ein Superlativ: mit knapp 18 Kilometern die längste Brücke Europas!) und auf dem Gelände eine insgesamt interessante, moderne und schöne Raumgestaltung. Das Einkaufszentrum hier hört natürlich ebenfalls auf den Namen "Vasco da Gama". Und nun raten Sie man, wie die nahegelegene Metrostation heißt...? Nein, eben nicht "Vasco da Gama" - sondern "Oriente". Sie ist gestaltet von dem spanischen Star-Architekten Santiago Calatrava (mir z.B. noch in bester Erinnerung aus Valencia, von der Stadt der Wissenschaft und Künste - siehe meinen Reisebericht Valencia). Mit ihrer sehr wuchtigen, extrem schweren Beton-Gestaltung der unteren Etagen sowie der schwebend leichten, palmenartigen Stahlbauweise in den oberen Bereichen ist die Station schon für sich allein einen ausgiebigen Blick wert.

Lissabon, Bahnsteige Bahnhof Oriente

... während auf den Bahnsteigen oben eine luftig-leichte Bauweise vorherrscht, das Dach an Palmen erinnert.

 

 

 

Und, was man noch hier findet - und das hat mich allerdings ein wenig erstaunt: Eine Menge Einheimischer, die hier flanieren und in die zahlreich vorhandenen Lokalitäten aller Art einkehren. Man hat es offenkundig geschafft, den Expo-Bereich lebendig zu halten und so in die heutige Zeit hinüber zu retten. Keine Frage: Auch wenn die Expo schon lange vorbei ist, das Gelände ist bei den Lissabonnern beliebt und die Erkundung wert! Wir waren begeistert von dem Einfallsreichtum auf dem früheren Expo-Gelände 1998!

Lissabon, Mondfisch

... Der gewaltige und geheimnisvoll wirkende Mondfisch jedenfalls schaute uns mehrfach ganz ungeniert direkt ins Gesicht, als er seine gemächlichen Runden drehte.

 

 

 

Ein Highlight für mich war auf diesem Gelände natürlich das Aquarium "Oceanário"! Es macht Werbung damit, das zweitgrößte Aquarium Europas zu sein - ich wäre mir da nicht so sicher, aber es ist allemal beeindruckend. Nun ist es sicherlich nicht jedermanns Sache, Aquarien zu besichtigen - mir hat dies hier jedoch viel Freude bereitet und drei Stunden Aufenthalt waren wie im Fluge vorbei. Besonders das große, zentrale Becken mit seinen 5.000.000 Litern Wasser, den vielen Rochen und Haien, dem Manta und vielen anderen Fischschwärmen war einfach beeindruckend. Und ich kann guten Gewissens sagen, dass der ca. 1,80 Meter lange und 1,50 Meter hohe, gelassen seine Runden drehende, geheimnisvolle Mondfisch und ich gute Freunde geworden sind. Jedenfalls schauten wir uns mehrfach tief in die Augen...

Nicht zuletzt dieser Ausflug zeigt einem dann, was für eine außerordentlich vielfältige Stadt Lissabon ist! Die Stadt hat viele Gesichter: filigrane, monumentale, fast ruinöse, moderne, leise, laute. Immer wieder gibt es Punkte, die einen tollen Ausblick auf die Stadt erlauben. Eigentlich war Lissabon um einiges vielseitiger, als ich es mir vorgestellt hatte.

Schön ist Lissabon! Aber eben nicht NUR schön. Und schon gar nicht kitschig schön! Eher schon eine raue Schönheit. Es ist mancherorts eine top-moderne Stadt - mit ganz vielen historischen Teilen und Verweisen. Es ist eine lebendig-laute Stadt mit ganz vielen ruhig-beschaulichen Orten, manchmal vordergründig etwas brummelig und unfreundlich - aber doch mit ganz viel Herz!

Die Zeit läuft

Fazit: Keine Frage - Lissabon ist eine Reise wert und birgt eine Vielseitigkeit, die mich durchaus überrascht hat. Besuchen Sie Lissabon - schließlich läuft auch Ihre Zeit!

 

 

Lissabon - noch einige kunterbunt gemischte Fotos von unserer Reise, für die ich im Text keinen Platz mehr fand...

 

Darüber hinaus finden Sie hier auf meinen externen Seiten noch eine Sammlung mit 62 großformatigen, zumeist anderen Fotos der Reise nach Lissabon.

 

 

Lissabon, Kacheln an Häusern

Typisches Lissabon: Kacheln an den Häusern - außen.

Lissabon, Parque Eduardo VII

Sofern man klare Luft hätte, hätte man vom Parque Eduardo VII einen großartigen Blick über die Innenstadt Baixa und über den Tejo.

Lissabon, Burgberg Bairro do Castelo

Und noch ein Ausblick zu einem Hügel von Lissabon: Der Blick von Bairro Alto nach Bairro do Castelo, dem historischen Burgberg.

Diesel-Werbung Sex Sells

"Diesel" meint auch in Lissabon: "Sex Sells"! Ob das wirklich für alle gilt?

Lissabon, Praça dos Restauradores nachts

Der Platz "Praça dos Restauradores" ist, zumindest im März, trotz angenehmer Temperaturen nachts um ein Uhr fast völlig menschenleer...

Lissabon, Bahnhof Estação do Rossio

Nachts besonders schön anzuschauen: Der Bahnhof Estação do Rossio.

Lissabon, Einkaufszentrum Vasco da Gama

Topmodern mit den allgemein bekannten Geschäften: Das Einkaufszentrum Vasco da Gama auf dem Expo-Gelände.

Lissabon, Expo-Gelände

Auf dem Expo-Gelände kann man viele schöne architektonische Einfälle und Gegensätze beobachten.

deutsche Sprache in Lissabon

Manchmal spricht man sogar deutsch in Lissabon!

 

 


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Dirk Matzen

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