Das Karolinenviertel in Hamburg-St. Pauli - während des G20-Gipfels und danach

Eine Bilderserie mit Eindrücken aus dem Quartier Karolinenviertel ("Karoviertel") des Hamburger Stadtteils St. Pauli während des G20-Gipfels - und eine Woche danach
   mit 117 Bildern, Juli 2017





Hamburg Karolinenviertel Laden Junge Brause beim G20-Gipfel

Ein Geschäft in der Turnerstraße: Junge Brause. Zum G20-Gipfel geschlossen. Die Inschrift: "G20 Gefahr im Gebiete - Mother Nature First".

Das Karolinenviertel in Hamburg - ohne jeden Zweifel ist dieses Stadtviertel eines der buntesten, ungewöhnlichsten in Hamburg! Es gehört zum weltberühmten Stadtteil St. Pauli, liegt dort jedoch am nördlichsten Rand und bildet ein weitgehend eigenes, abgeschlossenes Quartier. Für mich eines der charmantesten Viertel Hamburgs, vielleicht das charmanteste überhaupt. Die Einheimischen nennen es kurz "Karoviertel".

Kennengelernt habe ich dieses Viertel recht früh, nachdem ich im Jahr 1989 nach Hamburg gezogen bin. Mein erster Arbeitsplatz lag am Neuen Kamp, direkt am Rande des Viertels. Dieses bot damals einen eher erschreckenden, heruntergekommenen und verarmten Eindruck: Eng eingezwängt zwischen dem noch in Betrieb befindlichen, riesigen Schlachthof mitten in der Stadt, dem gerade stillgelegten, aber fast hundert Jahre total auf Verschleiß gefahrenen Kraftwerk "Karoline", den damals nicht sehr einladenden Messehallen, Gerichten und Untersuchungshaftanstalt. Nicht attraktiv!

In den Folgejahren veränderte sich dies, durch eine lange Zeit nicht konfliktfreie, aber letztlich behutsame Sanierung. Entwickelt hat sich in den letzten 30 Jahren ein buntes, lebendiges, extrem vielfältiges Viertel. Platz für viel Kreativität gibt es hier, viele kleine individuelle Geschäfte, Cafés, Restaurants, Galerien. Vieles wirkt unangepasst, alternativ, keine Partyzone, aber auch keine politisch radikale Szene. Und dies wirkt wohl nicht nur so - es ist hier wohl auch so. Mit gefällt es dort einfach sehr!

 

Und dann kommt Freitag, der 7. Juli 2017. In Hamburg tagt der G20-Gipfel. Wie viele andere Leute sitze ich fassungslos bis tief in die Nacht vor dem Fernseher und sehe, wie im Hamburger Schanzenviertel nahezu bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen. Nicht nur in der Straße Schulterblatt wird gebrandschatzt und geplündert, auch durch die Gegenden drumherum zieht der schwarze Mob, an vielen Ecken und Enden der Stadt brennt es. Auch 200-300 Meter von meiner Wohnung entfernt gehen, bereits in der vorangegangenen Nacht, Scheiben zu Bruch, der Hubschrauber knattert gefühlt die halbe Nacht fast über dem Haus. Die Bilder der Nacht gehen um die Welt. Also wirklich um die GANZE Welt!

Das Schanzenviertel, in dem die Gewalt am zentralsten eskaliert, liegt schon recht nah an dem Veranstaltungsort des G20-Gipfels, den Hamburger Messehallen. Das Karolinenviertel jedoch grenzt ganz direkt und unmittelbar an die Hamburger Messehallen. Ist also quasi "viel, viel näher dran an dem Geschehen", als das Schanzenviertel.

Extrem aufgewühlt und völlig geschockt von Bildern der Eskalation der Gewalt in der Nacht schwinge ich mich am Samstag, den 8. Juli auf mein Rad, um vor Ort ein paar Eindrücke zu sammeln. Die Dinge, die da passiert sind, will ich, nein: muss ich irgendwie "begreifen" können. Auch mache ich mir Sorgen um "mein Karoviertel". Wie wird es dort wohl aussehen - wo es doch direkt an den Tagungsort grenzt? Wurde dort auch geplündert und gebrandschatzt?

Der erste Eindruck zeigt: Im Schanzenviertel treiben sich hunderte, vielleicht tausende Leute herum, denen es wohl ähnlich geht, wie mir. Der Brandgeruch liegt noch sengend in der Luft, aber es ist mir dort schon wieder viel zu viel Trubel, wie ja meistens im Schanzenviertel. Zehn Stunden nach exzessiver Gewalt, die wohl mit viel Glück keine Toten fordern, regiert hier schon wieder der Rausch der Selfies. Schnell weg hier!

Völlig anders ist es dann im Karoviertel. Dort liegt eine fast unwirkliche Ruhe über dem Viertel - wenn man mal von dem beständigen Knattern der Polizeihubschrauber absieht. Das sonst so bewegte Viertel wirkt wie gelähmt, leblos. Nahezu alle Cafés und Geschäfte sind geschlossen. Nur wenige Menschen sind auf der Straße, Autos fahren nicht, ein paar Radler rollen gemächlich durch die wenigen Straßen des Viertels - wohl ähnlich aufgewühlt, wie ich.

Eine bedrückende Atmosphäre. Nach den erschütternden Fernsehbildern von der vorangegangenen Nacht, sammle ich hier wieder dramatische Eindrücke ein - wenn auch auf andere, viel subtilere Art und Weise: Ein ganzer Stadtteil ist in Angesicht der ganz großen, massiven Weltpolitik direkt nebenan in Agonie verfallen. Duckt sich weg, ist ängstlich verriegelt und verrammelt. Letzteres allerdings zuweilen immerhin mit Stil: Einige der Holzplatten, hinter denen Geschäfte sich verstecken, sind künstlerisch gestaltet.

Erst im Karoviertel habe ich angefangen, meine Eindrücke per Kamera aufzunehmen. Näher, als in die Flora-Neumann-Straße, kann man an den Tagungsort des hermetisch abgeschotteten G20-Gipfels mit Merkel, Trump, Putin, Erdoğan und und und... nirgendwo herankommen, wenn man nicht akkreditiert ist - also als normaler Mensch. Es ist eine Sperrzone eingerichtet worden, die nicht betreten werden darf. Eine der Hallen, in denen getagt wird, liegt in ca. 50 m Entfernung. Hier werde ich von einem jungen Polizisten, er könnte mein Sohn sein, betont freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen, dass ich bitte darauf achten solle, nicht irgendwelchen "taktischen Leitstände" oder ähnliches zu fotografieren. Ich weise ihn ebenso freundlich darauf hin, dass ich mich hier immerhin auf öffentlichem Grund bewege und es in Deutschland die Panoramafreiheit gäbe. Verzichte aber auf weiteres Geplänkel (woran ich denn wohl solche Leitstände erkennen könne?), merke aber noch an, dass ich sehr froh bin, dass die Polizei hier ist, sie wohl furchtbar lange Einsatzzeiten und eine entsetzliche letzte Nacht hatten und ich sehr dankbar für ihren Einsatz bin. Wohl zuviel für den jungen Mann, schlagartig wendet er sich ab. Und ich verzichte bis zur nächsten Ecke auf weitere Fotos.

Ansonsten werde ich in Ruhe gelassen an diesem "Samstag nach der Schlacht". Ein wenig beruhigt bin ich, dass "mein Karoviertel" diese Nacht offenbar recht heil überstanden hat.

 

Erst im Laufe der Woche danach entsteht der Gedanke, diese Runde, die ich am Samstag, den 8.7. gemacht habe, an dem darauf folgenden Samstag, den 15.7. noch einmal zu wiederholen, und das ganz exakt so, wie eine Woche zuvor! So tue ich es dann auch: Zur genau gleichen Zeit besuche ich noch einmal kurz das Schanzenviertel und wesentlich ausführlicher das Karolinenviertel. In das Schanzenviertel ist die übliche Partyszene zurückgekehrt: Menschenmassen besaufen sich gegen Mittag rechtzeitig und gründlich, um dann auf dem "Schlagermove" die richtige Stimmung zu haben. Ganz schnell biege ich ab.

Auch im Karoviertel ist das gewöhnliche Leben weitgehend zurück gekehrt. Nicht so sehr als Partyfeeling, eher das außergewöhnliche Shoppen und Kaffeetrinken zählt hier. Da bin ich beruhigt! Etliche der Protestplakate hängen noch, aber so richtig drängen sich die vergangenen Tage nicht in den Vordergrund. Ich besuche und fotografiere einige der Orte wieder, die ich genau eine Woche zuvor schon abgelichtet habe. Es ergibt sich ein guter Vergleich der Atmosphäre im Karolinenviertel während des G20-Gipfels - und eine Woche danach. Einige dieser Vergleiche sind hier zu finden. Nicht immer ist es mir gelungen, den gleichen Blickwinkel, wie eine Woche zuvor zu erwischen. Aber die Bilderpaare zeigen doch immer die gleichen Orte.

Absurde Duplizität der beiden Besuche: An beiden Tagen knattert beharrlich ein Hubschrauber über dem Viertel. Am 8.7. wegen der allgemeinen Sicherheitslage und einer in der Nähe startenden Demonstration, jetzt, am 15.7., wohl wegen des sich sammelnden Schlagermoves...

 

Betonen möchte ich noch: Etliche der abgebildeten Parolen geben nicht unbedingt meine Ansichten wider! Einige aber natürlich schon. Z.B. das allgemeine "NO G20", das an vielen Stellen zu sehen gewesen ist, teile ich so allgemein nicht. Das ist mir zu simpel und zu dünne. Im Gegenteil: Je mehr die Welt aus dem Lot gerät, umso wichtiger finde ich es, dass diese herrschenden Leute sich zusammen setzen. Ob jedoch dieser gigantische Umfang mit 6.000 Menschen in den Delegationen und 5.000 Journalisten richtig und zielführend ist, das bezweifle ich auch nach einer Woche der Verarbeitung massiv. Und völlig klar ist: Der Ort, den man sich hier in Hamburg für diese Konferenz ausgesucht hat, ist ganz sicher der absolut dämlichste Ort überhaupt hierfür - zumindest in Deutschland. Und dass sich das kleine, etwas widerspenstige Karoviertel eher zurückhaltend und dezent dagegen gewehrt hat, dass es lange Zeit mit gewaltigen Einschränkungen leben muss, dass die Geschäftsleute einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden erleiden müssen - das verstehe ich allerdings voll und ganz und finde es dann wieder sympathisch.

Eigentlich stelle ich diese Bilderserie vor allem für mich selber zusammen. Ich merke noch den Bedarf, das Gesehene irgendwie zu sortieren, zu verstehen, zu verdauen. Wer will, darf jedoch gerne mitschauen. Ein wenig habe ich mich auch in der weiteren Umgebung des Karolinenviertels umgeschaut.

Noch kurz zur Lesart der Bilderserie: Das obere Bild in jeder Box zeigt immer den Zustand während des G20-Gipfel, das untere eine Woche danach. Eine besondere Reihenfolge der Bilder habe ich nicht eingehalten, sondern alles so in der Reihenfolge abgebildet, wie ich fotografiert habe und also die Bilder zu mir gekommen sind. Zuweilen gleichen die Bilder einem Suchspiel, nach dem Motto: Finde den Unterschied! Zuweilen aber ist es auch frappierend, wie tief der Eingriff in das Leben am Karoviertel gewesen ist.

 

Hamburg Karolinenviertel, Keimzelle

An der "Keimzelle" auf dem Ölmühlenplatz wird "Worldwide Solidarity" signalisiert - und ist während des G20-Gipfels im Blick der Polizei.

Hamburg Karolinenviertel, Ölmühlenplatz
Hamburg Karolinenviertel, G20 Café

Der Marktweg: Eines der angrenzenden beiden Cafés hat während des G20-Gipfels geöffnet - und ein Tisch ist sogar besetzt.

Eine Woche später ist alles wieder, wie gewohnt.

Hamburg Karolinenviertel, Café
Hamburg Karolinenviertel, Plakat Respect our Hood

Keine Änderung an diesem Wohngebäude in der Marktstraße, das Transparent ist erhalten geblieben und bleibt ja so oder so gültig: "Respect our hood".

Hamburg Karolinenviertel, Transparent Respect our Hood
Hamburg Karolinenviertel, Marktstraße beim G20

Beim Blick entlang der zentralen Marktstraße sind die Unterschiede zwischen beiden Fotos gar nicht soo riesig. Aber oben sind doch verblüffend wenige Personen und Autos in der Straße.

Hamburg Karolinenviertel, Marktstraße
Hamburg Karolinenviertel, Hot Dogs beim G20

"G20 - Bin Weg - Bier holen!" verlautet es auf dem geschlossenen Bekleidungsgeschäft "Hot Dogs".

Eine Woche später ist das Bier offenbar da.

Hamburg Karolinenviertel, Hot Dogs
Hamburg Karolinenviertel, Herr von Eden beim G20

Die Hamburger Filiale des edlen Modegeschäfts "Herr von Eden" hat sich während des G20-Gipfels anspruchsvoll verrammelt. Die Beschriftung auf den massiven Holztafeln: "Sind die Türen verrammelt, so darf der Gedanke erst recht nicht abbrechen. Er hätte die Gründe zu analysieren und daraus die Konsequenzen ziehen. An ihm ist es, nicht die Situation als endgültig hinzunehmen." Ein Polizeiwagen steht beim G20 direkt daneben.

Eine Woche später: Wie einladend! Und offenbar hat man das Entfernen der Tafeln dann dazu genutzt, den Sockel neu zu bemalen.

Hamburg Karolinenviertel, Herr von Eden
Hamburg Karolinenviertel, Reuker HP beim G20

Das Bekleidungsgeschäft "Reuker HP" hat stilvoll geschlossen während des Gipfels.

Und diesen Stil bewahrt man hinterher auch noch bei.

Hamburg Karolinenviertel, Bekleidungsgeschäft Reuker HP
Hamburg Karolinenviertel, Langbrett beim G20

Der Surf-Laden "Langbrett" überzeugt mit eine Aussage, die wohl jeder unterschreiben kann: "make love not war". Kombiniert wird dies mit der Aussage NOG20.

Das schön gestaltete Friedenssymbol bleibt einstweilen erhalten.

Hamburg Karolinenviertel, Langbrett
Hamburg Karolinenviertel, Gretchens Zuckerbude beim G20-Gipfel

"Gretchens Zuckerbude", natürlich zur daneben liegenden "Gretchens Villa" gehörend, hat sich zum G20-Gipfel auch verrammelt und sich, wie viele andere auch, mit dem Greenpeace-Plakat "Planet Earth First" geschmückt.

Eine Woche später herrscht wieder gewohnter Betrieb.

Hamburg Karolinenviertel, Gretchens Zuckerbude
Hamburg Karolinenviertel, Goldig beim G20-Gipfel

Ist das "Goldig"! Das gleichnamige Bekleidungsgeschäft schützt sich auch mit einer kunstvollen Verpackung, signiert vom Künstler Lapiz.

Eine Woche später sehe ich: Das hat geklappt!

Hamburg Karolinenviertel, Goldig
Hamburg Karolinenviertel, Snaps.Hamburg beim G20-Gipfel

"Snaps.Hamburg" zeigt während des G20-Gipfels ein Friedenssymbol in Leuchtfarbe.

Offenbar ließ sich dies auch wieder gut entfernen, wie ich eine Woche später sehe.

Hamburg Karolinenviertel, Snaps.Hamburg
Hamburg Karolinenviertel, Goldmarie-Shop beim G20-Gipfel

Auch das Modegeschäft "Goldmarie-Shop" hat sich ein Stück Kunst von Lapiz zum Schutz des Ladens geleistet.

Und, Überraschung: Dieses Kunstwerk bleibt offenbar einstweilen erhalten - aber die Tür ist eine Woche später geöffnet.

Hamburg Karolinenviertel, Goldmarie-Shop
Hamburg Karolinenviertel, KunstHaltestelle G20WISHWALL beim G20

Die "KunstHaltestelle" überzeugt mich mit einer guten Idee: Auf dem linken Schaufenster war eine "#G20WISHWALL" eingerichtet, auf der jeder eigene Wünsche unterbringen konnte. Und, Überraschung: Der Laden hat während G20 geöffnet!

Eine Woche später ist die Tür wieder geöffnet - nur das Schaufenster hat wieder seine normale Funktion.

Hamburg Karolinenviertel, KunstHaltestelle
Hamburg Karolinenviertel, IIWII-Gallery beim G20

Die "IIWII-Gallery" ("It Is What It Is) in der
Marktstraße 1 und in direkter Sichtweite zu den Messehallen, ist während des Gipfels auch geschlossen, teilweise vergittert und meint nicht sehr künstlerisch "G20 NO".

Eine Woche später ist es wieder, wie es sein soll: Kunden interessieren sich für die Auslagen der Schaufenster.

Hamburg Karolinenviertel, IIWII-Gallery
Hamburg Karolinenviertel, Karolinenstraße beim G20-Gipfel

Man hat sich hier in der Karolinenstraße schon an Polizeianwesenheit gewöhnt: Seit einigen Monaten werden die Messehallen beständig von immer mehr Polizei bewacht. Jetzt ist das Polizei-Aufgebot beeindruckend und schwer bewaffnet.

Eine Woche später erscheint alles wie ein vergangener Spuk.

Hamburg Karolinenviertel, Karolinenstraße
Hamburg Karolinenviertel, Polizeibewachung Karolinenstraße

Für "normale" Menschen ist hier, an der Abzweigung Flora-Neumann-Straße zur Karolinenstraße, Schluss und kein Durchkommen während des G20-Gipfels: Hier beginnt die "Sicherheitszone 2", die "gelbe Zone". Schwer bewacht durch die Polizei.

Eine Woche später sind Gitter und Polizei verschwunden - und die Sonne wieder da.

Hamburg Karolinenviertel, Karolinenstraße
Hamburg Karolinenviertel, Flora-Neumann-Straße beim G20-Gipfel

Blick durch die Flora-Neumann-Straße direkt an der Sicherheitszone 2 während des Gipfels: Parkverbot für private Autos, erstaunlich wenig Polizei, kein Leben - aber immerhin ist die Ampel in Betrieb.

Eine Woche später ist alles wieder normal zugeparkt, die Ampel mal wieder rot und selbst das angefressene Lindenblatt hat den G20-Gipfel ohne weitere Schäden überstanden.

Hamburg Karolinenviertel, Flora-Neumann-Straße
Hamburg Karolinenviertel, Blick zu Tagungshalle G20

Von dieser Perspektive habe ich nur ein Bild von der Zeit nach dem Gipfel - nachdem ich eine Woche zuvor durch die Polizei einen in der Tat freundlichen Hinweis bekommen hatte, mit meinen Fotos doch aufzupassen. Direkt hinter dem Gebäude rechts beginnt während des Gipfels die "rote Sicherheitszone 1", die Hochsicherheitszone. Und das Gebäude mit dem auffälligen, welligen Dach ist eine der Tagungshallen gewesen - 50 m von diesem Ort entfernt. Wenn ich mich recht erinnere, gab es an dieser Stelle einen angebrachten Sichtschutz.

Hamburg Karolinenviertel, Plakat Wir wurden nicht gefragt

Neben den einladenden Wohngebieten an der Grabenstraße hängt während des Gipfels die Meinungsäußerung von Anwohnern: "Wir wurden nicht gefragt - wir hätten Nein! gesagt".

Eine Woche später ist der Blick auf den schönen Hof wieder frei.

Hamburg Karolinenviertel, Grabenstraße
Hamburg Karolinenviertel, Turnerstraße beim G20

Der Blick durch die Turnerstraße zur Marktstraße während des G20-Gipfels zeigt: Fast nichts. Außer einem Polizeifahrzeug, ein paar Fahrrädern und drei Menschen.

Eine Woche später: So ist der Normalzustand in der Turnerstraße - Autos, kaum Menschen. Fast stellt sich die sicherlich verbotene Frage, welcher Zustand denn wohl besser ist.

Hamburg Karolinenviertel, Turnerstraße
Hamburg Karolinenviertel, Beschriftung Nur wer friedlich demonstriert hats kapiert

Am Samstagmittag nach der stundenlangen, wilden Randale ein paar hundert Meter weiter bin ich richtig gerührt, als ich sehe, wie eine junge Frau mit Kreide auf der Ecke Neuer Kamp / Marktstraße den Satz "Nur wer friedlich demonstriert, hat's kapiert!" schreibt.

Nach viel, viel Regen unter der Woche ist der schöne Satz eine Woche später weggespült.

Hamburg Karolinenviertel, Ecke Neuer Kamp Marktstraße
Hamburg Karolinenviertel, Bunte Zone beim G20-Gipfel

Wir haben schon die "rote Zone" und die "gelbe Zone" als "Sicherheitszonen" kennen gelernt - hier, neben der Freifläche an der Alten Rinderschlachthalle, stoße ich dann auf die "Bunte Zone". Am frühen Samstagnachmittag während des G20-Gipfels leider ungewohnt trist.

Eine Woche später ist der wöchentlich am Samstag stattfindende Flohmarkt "Flohschanze" wieder da - und dann ist es wirklich die bunte Zone.

Hamburg Karolinenviertel, Bunte Zone
Hamburg Karolinenviertel, Feldstern beim G20

Während des G20-Gipfels ebenfalls dicht ist das Restaurant "Feldstern" neben der Alten Rinderschlachthalle: "Aufgrund des kommenden Irrsinns haben wir Freitag und Samstag geschlossen! Passt auf euch auf. Bis Sonntag...."

Am darauffolgenden Samstag steht die Tür den Besuchern wieder offen.

Hamburg Karolinenviertel, Feldstern
Hamburg Karolinenviertel, Tattoo Piercing Jungbluth beim G20

Während des G20 hat sich "Tattoo Piercing Jungbluth" gut geschützt und die Holzplatten mit Graffiti des Künstlers "BETY" versehen (über den oder die ich nichts in Erfahrung bringen kann).

Der Normalzustand eine Woche später geht dann am Rande der Flohschanze gelassen vor sich.

Hamburg Karolinenviertel, Tattoo Piercing Jungbluth
Hamburg Karolinenviertel, Erika's Eck Beschriftung beim G20 Hamburg Karolinenviertel, Erika's Eck beim G20

Fast trifft mich der Schlag, als ich zum legendären Restaurant "Erika's Eck" in der Sternstraße komme! Eine echte Hamburger Institution - geschlossen! Sozusagen vom G20 erdrückt: "Liebe Gäste, aufgrund der bevorstehenden Demos und Sperrungen haben wir beschlossen, das Erika's Eck bis Montag 6:00 Uhr zu schließen. Es tut uns sehr leid aber am Montag geht es wie gewohnt weiter. Ihr Erika's Eck Team".

Eine Woche später ist wieder geöffnet, mit warmer Küche von 17:00 bis 14:00 (!) Uhr, am Wochenende bis 9:00 Uhr. Gott sei Dank!

Hamburg Karolinenviertel, Erika's Eck
Hamburg Karolinenviertel, Luftmessstation Sternschanze beim G20

Die Luftmessstation im Sternschanzenpark grenzt direkt an die Sicherheitszone 2, die "gelbe Zone", und stand so offenbar genügend unter unmittelbarem Polizeischutz...

... dass sie kein Raub der Flammen wurde und normal weitermessen kann.

Hamburg Karolinenviertel, Luftmessstation Sternschanze
Hamburg Karolinenviertel, Pianohaus Trübger beim G20-Gipfel

Es ging durch die lokalen Medien: Das Pianohaus Trübger, seit 140 Jahren existent und seit über 100 Jahren an diesem Standort, sah sich erstmalig gezwungen, das eigene Geschäft an der Schanzenstraße selber zu schützen und zu schließen. Das Motto ist natürlich großartig gewählt: "Immer schön Piano!" und weiter: "Wir wünschen der Welt und Hamburg eine friedliche Politik und einen friedlichen Protest. Und: Reinschauen geht leider erst wieder nach dem Gipfel."

Die Wünsche gingen leider nicht komplett in Erfüllung - aber das Traditionshaus hat die Gewalt in unmittelbarer Nachbarschaft offenbar gut überstanden.

Hamburg Karolinenviertel, Pianohaus Trübger
Hamburg Karolinenviertel, Info-Laden Schwarzmarkt beim G20-Gipfel

"Let's smash G20 now!" meint man am "Info-Laden Schwarzmarkt", einem Infoladen der autonomen Bewegung, am Kleinen Schäferkamp.

Genauso eine Woche später - der einzige Ort, an dem sich nichts verändert hat!?

Hamburg Karolinenviertel, Info-Laden Schwarzmarkt nach dem G20
Hamburg Karolinenviertel, Peter Pane beim G20-Gipfel

Am Schlump / Kleiner Schäferkamp hat sich "Peter Pane" auch massiv vor Angriffen geschützt. Ein Auto kam bis hierhin - und das Holz wurde nicht einmal mit Graffiti versehen!

Eine Woche später herrscht wieder richtig viel Betrieb in dem Restaurant-Betrieb - und auch davor.

Hamburg Karolinenviertel, Peter Pane

 

 

 

 

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Dirk Matzen

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