Stockholm - Wintermärchen mit Dachlawinen

Ein Reisebericht aus Stockholm, der Hauptstadt von Schweden, mit einem Ausflug nach Uppsala, über eine Reise im Januar 2011
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Stockholm, Gasse in der Altstadt und Schwedische Fahne

In der Altstadt von Stockholm ("Gamla Stan") kann man im Winter ganze Viertel fast für sich allein genießen und trifft ansonsten zumeist auf Einheimische.

Ein Besuch in Stockholm stand schon lange auf meiner Wunschliste, sehr lange! Städte am Wasser mag ich grundsätzlich, meistens jedenfalls. Und Stockholm ist ja eine Stadt, die quasi mit dem Wasser lebt - auf insgesamt 14 Inseln. Ein Blick auf den Stadtplan zeigt schnell, wie sehr sich die Stadt den Gewässern um sie herum angepasst hat. Da wollte ich hin, so etwas reizt mich - schon längst!

Ein Problem dabei: Stockholm ist eine teure Stadt, eine richtig teure Stadt! Hotel-Unterkünfte sind für mich dort kaum erschwinglich, vielleicht mal eine Nacht, oder zwei. Viel mehr geht da eigentlich gar nicht. Nun ergab es sich aber, dass ich mir bei einer passenden Gelegenheit von Freunden und Familie eine von mir noch auszuwählende Reise gewünscht hatte... Man war insgesamt sehr großzügig und ich ging an die Planungen

Ein Jahr zuvor hatte ich mir selber, kurz nach den vielen Feierlichkeiten um die Jahreswende herum, im klirrenden Winter, eine Fünf-Tage-Reise gegönnt. Nach Danzig und Umgebung führte mich damals mein Weg (siehe die Reiseberichte Danzig, Gdynia und Sopot sowie den Reisebericht zur Halbinsel Hel). Schon damals merkte ich schnell, dass eine Reise im Winter ihre ganz besonderen Reize hat. Man wandelt nicht zwischen Touristen-Massen umher, lernt das bereiste Gebiet ziemlich ungeschminkt und ursprünglich kennen.

Warum also nicht im Winter nach Stockholm? war dann also ein Gedanke Ende November. Man kann ja mal im Internet nachschauen und ein wenig recherchieren... Schnell wurde mir klar, dass Flüge nach Stockholm im Januar extrem günstig zu bekommen sind - das wäre ja schon einmal eine gute Voraussetzung. Und, siehe da: Auch die Hotelzimmer waren erheblich günstiger, als das, was ich bei früheren Gelegenheiten erkundet hatte. Nach ein wenig Suchen und Vergleichen fand ich ein Hotelzimmer bei einer bekannten skandinavischen Hotelkette in einer Nebenstraße der Fußgängerzone. Mitten in der Innenstadt für etwas mehr als 50 Euro pro Nacht - und schon gebucht, für vier Nächte. Der Flug brachte mich von Lübeck nach Stockholm Skavsta (eigentlich bei Nyköping gelegen, rund 100 km südlich von Stockholm) und kostete einschließlich beider Zubringerbusse insgesamt gerade mal etwas über 40 Euro. Ruckzuck - auch gebucht!

Anfang Januar wird es mich also für ein paar Tage nach Stockholm führen, und diesmal leiste nicht ich mir selber diese Reise - sondern Freunde und Familie gönnen mir diese Reise, als Geschenk. Ein wirklich wunderbares und besonderes Gefühl bei einer Reise, glauben Sie mir! Es blieb von dem geschenkten Geld sogar noch genügend übrig, um direkt von Stockholm aus noch eine überaus eindrucksvolle Reise nach Reykjavik mit ein paar Ausflügen anzuhängen, die in meinem umfassenden Reisebericht Reykjavik beschrieben wird (dieser folgt noch). Allen "Gönnern" ein herzliches Dankeschön!

Aber noch bin ich ja gerade erst auf dem Weg nach Stockholm! Die Zubringerfahrt nach Lübeck und der Flug klappen einwandfrei. Nyköping, empfängt mich dann mit viel, viel Schnee und wesentlich früher hereinbrechender Dunkelheit, als ich es gewohnt bin. Schon um drei Uhr beginnt es, heftig zu dämmern. Bald schon ist es dunkel. Der Bus bringt mich zum Hauptbahnhof von Stockholm, nur wenige hundert Meter von meinem Hotel entfernt. Den Weg finde ich in der für mich völlig fremden Stadt, ohne weiter auf den Stadtplan zu schauen - ich hatte ihn mir vorher auf der Karte schon mal eingeprägt. Alles klappt völlig problemlos!

 

Der erste Eindruck von Stockholm in Schnee und Eis

Nur ich selber laufe in Stockholm nicht problemlos! Noch aus dem vergangenen Winter kenne ich es zur Genüge aus dem heimatlichen Hamburg, dass man dort im allgemeinen einfach überhaupt keine Lust hat, die Fußwege von Schnee und Eis zu befreien. Dies ist in Stockholm offenbar grundsätzlich anders. Fast alle Wege sind gründlich von Schnee und Eis gereinigt worden - und doch ist es extrem rutschig und somit zuweilen schwierig für mich, mich sicher fortzubewegen. Offenbar ist von dem beiseite geräumten Schnee einiges angetaut und friert jetzt wieder. Es ist glitschig-glatt, ich wanke recht unsicher durch die Gegend.

Erreiche das Hotel dennoch sicher und muss mich natürlich nach kurzer Ruhepause gleich wieder aufmachen, um mich in der Umgebung des Hotels noch etwas umschauen. Zunächst entdecke ich also die zentrale Stockholmer Shopping-Meile, die tatsächlich eine knappe Minute Fußweg um die Ecke liegt, bummle dort etwas ziellos umher. Shoppen ist zugegebenermaßen gar nicht mein Ding, also lasse ich die Geschäfte ungestört und schaue mir eher die Leute und die Umgebung an. Schnell ist zu bemerken, dass es dieser Stadt und ihren Bewohnern gut geht, den meisten jedenfalls. Alles ist wohlgeordnet und es gibt einige Bauten und Geschäftsgegenden, die einen sehr wohlhabenden, edlen Eindruck machen. Aber alles wirkt sehr freundlich und entspannt. Selbst bei den knackig kalten Winter-Temperaturen wirkt Stockholm einladend auf mich.

Stockholm, Nybrokajen nachts

Großartig! Einer meiner ersten Eindrücke von Stockholm: Der Blick über den Nybroviken zu den edlen Hotels am Nybrokajen.

 

 

 

Am Wasser gibt es schöne Blicke über den Riddarfjärden und Nybrovieken in Richtung Altstadt, Riddarholmen, Nybrokajen und zum Stadtteil Södermalm. Der Hauptbahnhof präsentiert sich mit seiner gigantischen Halle sehr dünn bevölkert, als ich hineinschaue. Auf einer Kunsteisbahn flitzen noch ein paar Unentwegte herum, ich finde zwei Orte, an denen ich den Lieben daheim per Webcam zuwinken kann. Aber allzu lange treibe ich mich nach der Reise dann doch nicht herum, das möchte ich dann eher bei Tageslicht am Folgetag tun.

Kurz vor dem Einschlafen jedoch nutze ich noch den WLAN-Zugang in meinem Zimmer des tatsächlich guten Hotels - und stelle fest, dass, wenn ich jetzt hier über das Internet ein Hotel-Zimmer für den Folgetag buchen würde, dann müsste ich mehr als den vierfachen Preis dessen bezahlen, was ich vor ein paar Wochen zahlte. Ein Preis von über Euro 220 pro Nacht lässt mich mit dem wohligen Gefühl einschlafen, bei meiner Buchung ein gutes Schnäppchen gemacht zu haben. Stockholm kann also wirklich verdammt teuer sein!

 

Die Altstadt von Stockholm

Der Folgetag empfängt mich mit grauem Himmel und Eiseskälte - letzteres war ja jetzt, Anfang Januar, nicht anders zu erwarten. Eines der touristischen Highlights der Stadt, wenn nicht gar DAS Highlight für Touristen, ist die Altstadt von Stockholm, die "Gamla Stan", die auf drei Inseln verteilt ist. Da ich recht früh schon mein Frühstück zu mir genommen habe, steure ich danach also sofort und direkt die Altstadt an - in der Hoffnung, dass diese an diesem Samstagmorgen noch nicht vor Touristen überflutet ist. Vielleicht sind ja eh noch nicht so viele Touristen zu dieser Jahreszeit in Stockholm?

Der günstige Standort meines Hotels lässt mich Gamla Stan leicht zu Fuß erreichen. Und die Idee, dies recht früh am Tag zu tun, erweist sich als goldrichtig! Nachdem ich das Heim von König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia (also das Königliche Stadtschloss, "Kungliga Slottet") und den Schwedischen Reichstag (also das Parlament, den "Riksdag") beim Zugang zur Altstadt, weitgehend links bzw. rechts liegen lassen habe, tauche ich umgehend in das Gewirr aus den vielen kleinen Straßen ein. Ziellos und ohne jeglichen Zeitdruck schlendere ich durch die Gassen, habe zuweilen ganze Straßen für mich. Ganz bestimmt ein seltenes Glück für einen Touristen.

Stockholm, Blick zur Altstadt

Blick von Södermalm aus auf die Inseln mit der Altstadt von Stockholm.

 

 

 

Der Magie dieses Ortes kann ich mich nicht entziehen! Die kleinen, meist geschwungenen Wege zwischen den zumeist viergeschossigen Häusern, sind wirklich anheimelnd. Die warme Farbgebung der Häuser in allein vorstellbaren Farbtönen zwischen gelb und rot zusammen mit dem vielen Schnee sowie der enormen Ruhe an diesem Samstagvormittag und der Auto-Freiheit tun ein Übriges zu der Faszination, die von der Altstadt Stockholms ausgeht. Fast schon wirkt es magisch auf mich. Es ist ein wirklich schöner Stadtteil, auch und gerade, weil es Winter ist!

Stockholm Eiszapfen

Die Temperaturen während meines Aufenthalts waren, tagsüber!, um die null Grad. Das hatte zur Folge, dass sich an vielen Stellen enorme Eiszapfen bildeten. Schön - aber gefährlich und ein Fall für die "Eiszapfen-Hotline".

 

 

 

Aber: der Stadteil hat, gerade jetzt im Winter, auch seine Schrecken, die mich zuweilen wirklich erschaudern lassen. Schnell bemerke ich, dass die Temperaturen um den Nullpunkt ihr Tücken haben. Zum einen ist es an vielen Stellen furchtbar glatt und glitschig. Einige Wege, die auf der hügeligen Insel etwas steiler hinauf oder hinab führen, traue ich mich kaum zu gehen - ein Sturz könnte schnell einen Krankenhaus-Aufenthalt nach sich ziehen und das Ende des Urlaubs bedeuten. Aber auch von oben droht eine echte Gefahr: durch das leichte Tauen gibt es an vielen Dächern große Schnee-Überhänge über die Dachkanten. Es drohen riesige und zum Teil vereiste Dachlawinen hinab zu stürzen. Darüber hinaus baumeln an nahezu allen Regen-Fallrohren große bis riesige, zum Teil meterlange Eiszapfen. Wenn man so ein Ding auf den Kopf kriegt, dann ist man tot. Ohne Zweifel.

Als ich in die Altstadt kam, sah ich hin und wieder mal einen Warnhinweis an einem Haus lehnen: "Varning! Risk för Ras!" - "Vorsicht! Risiko von Stürzen!", oder auch kurz: "Varning, Rasrisk!". Dies kann man durchaus ein doppelter Bedeutung interpretieren: Es kann Eis und Schnee vom Dach stürzen (was eigentlich gemeint ist mit diesen Warnungen), aber man selber ist durch die rutschige Umgebung auch von Stürzen bedroht. Im Laufe des Tages nehmen diese dramatischen Warnungen enorm zu, ich sehe diese Schilder, Stangen, Tafeln etc. an fast jedem Haus des Altstadt. Am frühen Nachmittag begleiten einen diese Schilder auf Schritt und Tritt. Glatteis, Schneelawinen und Eiszapfenabstürze: schnell wird mir bewusst, dass es hier in der Altstadt von Stockholm bei dem gerade einsetzenden, leichten Tauwetter ein richtig gefährliches Gelände ist! Das hatte ich so nicht bedacht. Und es macht durchaus Stress, man fühlt sich in realer Gefahr. Immerhin: Es gibt in Stockholm eine extra eingerichtete "Eiszapfen-Hotline", bei der man gefährlich erscheinende Eiszapfen melden und deren Entfernen fordern kann. Zudem empfiehlt es sich, nicht zu dicht an den Hauswänden zu gehen und besser etwas Abstand zu halten.

 

 

 

Das machen sich Industriekletterer zunutze, sie haben daraus einen neuen Verdienstzweig gemacht. An einigen Häusern, nicht nur in der Altstadt, sondern immer wieder auch in der ganzen Stadt, kommt es vor, dass Bereiche vor Häusern abgesperrt sind und man auf den Dächern der Häuser professionell angeseilte Leute dabei beobachten kann, wie sie den Schnee und Eis vom Dach herunter schaufeln. Unten gibt es immer dazu einen "Aufpasser", der sich mit den Kletterern auf dem Dach mittels Trillerpfeife verständigt. In der schmalen Altstadt wird dann immer gleich die komplette Gasse vor dem Haus gesperrt. Immer für einige Zeit - dann wird von oben geschippt, dann dürfen nach einem Pfeifensignal mal wieder die Fußgänger eine Weile passieren, und so geht es recht lange im Wechsel. Durchaus interessant zu beobachten.

Stockholm, Wachablösung Schloss

Wachwechsel am Königlichen Stadtschloss, mit viel Gebrüll und Trompetengetröte. Ein beliebtes Ziel vieler Touristen und vieler Fotografen.

 

 

 

Um 12 Uhr mittags gerate ich dann eher versehentlich in den Wachwechsel am Königsschloss. Zu dieser Zeit ist das gesamte Viertel sogar in diesem frühen Januar-Tagen schon recht voll von Touristen. Und viele sind offenbar gezielt zu diesem Wachwechsel-Spektakel gegangen. Militärisches Gehabe liegt mir völlig fern, ich habe da eine richtige Abneigung. Und dieses inszenierte Spektakel hier, mit zum Teil historischen Uniformen, mit furchtbar lautem Gebrülle und Trompetengetröte, ist eigentlich rein gar nichts für mich - trotzdem schaue ich es mir eine Weile an, es ist ja auch irgendwie Landestradition. Na ja, wer's mag...

Stockholm, Blick zur Altstadt

Blick zur Altstadt auf dem Weg nach Södermalm.

 

 

 

Die Altstadt ist mittlerweile - es geht gegen ein Uhr mittags - voller Menschen, zumindest auf den Hauptrouten. Mir wird das jetzt zuviel. Auch ermüdet mich das Aufpassen auf die vielen winterlichen Gefahren hier - also verlasse ich die Altstadt, in Richtung Süden. Der anschließende Stadtteil Södermalm genießt meinem Reiseführer zufolge einen interessanten, guten Ruf als Stadtteil, in dem sich eine alternative Szene ausbreitet. Rechtzeitig zum Verlassen der Altstadt setzt bei fast stürmischen Winden auch noch ein Schneegestöber ein. Aber ich bin ja gegen die Kälte gut eingepackt.

 

 

 

Und tatsächlich: der Stadtteil Södermalm ist interessant und lebendig, eine ganze Weile treibe ich mich hier herum. Neben der Szene vor Ort sind auch die Ausblicke auf die Altstadt von einigen Punkten aus geradezu spektakulär - aber das entdecke ich so richtig erst zwei Tage später... Nach einer kurzer Pause im Hotel treibt es mich noch weiter durch das nächtliche Stockholm. Es ist wirklich sehr schön und lebendig.

Stockholm, Königsschloss

Das massive Königliche Stadtschloss mit nächtlicher Beleuchtung. In dieser Form fertig gestellt 1754 ist es eines der größten noch bewohnten Schlösser der Welt.

Stockholm, Altstadt nachts

Am späten Abend in der "Gamla Stan", der Altstadt von Stockholm: Romantische Beleuchtung und teilweise spiegelglattes Eis.

 

 

 

Durch die Lage am Wasser bietet Stockholm immer wieder sehr schöne, reizvolle Ausblicke über Teile der Stadt. Aber auch jetzt am Abend tut sich die Altstadt wieder besonders hervor: Man hat es wunderbar verstanden, den Stadtteil mit eher spärlicher, warmer Beleuchtung "gemütlich" werden zu lassen. Viele einladende Gaststätten gibt es hier - die allerdings eher auf Kundschaft warten. Die Altstadt ist an diesem Abend tatsächlich wieder leer, wieder gehe ich durch menschenleere Straßen. Aber nein, ich gehe nicht - ich rutsche. Durch das leichte Tauwetter des Tages und den wieder eingesetzten Frost ist es einfach super-glatt in Teilen der Altstadt, zum Teil schliddere ich wieder über blankes Eis, gestreut hat man nicht. Wie schade! Denn die Magie dieses Ortes verstärkt sich in der Nacht eigentlich noch. Ein tolles Viertel! Wenn doch nur das blanke Eis nicht wäre!

 

Ausflug nach Uppsala

Auffällig war für mich in Stockholm, dass ich, wenn ich nicht selber Kontakt aufnehme, von den Einheimischen in Ruhe gelassen werde. Man gibt sich zurückhaltend, niemand spricht einen an. Nun ist es ja auch nicht so, dass ich hier weithin als Tourist auffällig und erkennbar bin, aber ich werde bei allem, was ich so beobachte, das Gefühl nicht los, dass man in Stockholm am liebsten so seiner Wege geht und weder andere stört, noch gestört werden möchte.

Uppsala, Dom

Blick auf den Dom St. Erik in Uppsala - die größte Kirche Skandinaviens. Das Licht wirkt auch zur Mittagszeit fast abendlich.

Dieser Eindruck ändert sich nicht, als ich am folgenden Sonntag einen Ausflug mit dem Zug nach Uppsala unternehme. Ich liebe es sehr, in anderen Ländern mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren - und Zugfahrten gehören bevorzugt dazu. Kaum irgendwo anders ist es möglich, das öffentliche Leben so ungeschminkt wahrzunehmen, wie in öffentlichen Verkehrsmitteln. So war es eher so, dass ich mir zunächst überlegt hatte, einen Ausflug zu unternehmen - und mich dann auf die Suche nach einem Ziel begeben hatte. Die Wahl fiel auf die rund 70 km nördlich von Stockholm gelegene Studentenstadt Uppsala. Mit ca. 203.000 Einwohnern zählt Uppsala durchaus schon zu den größeren Städten Schwedens (die viertgrößte, um es genau zu nehmen). Die Stadt kann auf eine große, bedeutende Vergangenheit verweisen - wird mittlerweile allerdings von den ca. 40.000 Stundenten "beherrscht". Wobei die Universität viel Tradition hat, aus dem 15. Jahrhundert stammt und Uppsala die zweite Universitätsstadt Skandinaviens war.

Das Zugticket hatte ich mir schon zuvor gekauft, dabei auch den Rückfahrt-Zug um 16:00 Uhr bereits festgelegt - was sich als bedauerlich herausstellen sollte. Verblüffend für mich jedoch, dass die Rückfahrt in der ersten Klasse nur lächerliche zwei Kronen (ca. 30 Cent) teurer war, als die Hinfahrt in der zweiten Klasse. Eine interessante Preispolitik!

Wenn man in allerdings am Sonntagmorgen um zehn in einer unbekannten Stadt ankommt, dann ist es wohl unumgänglich, dass man diese Stadt als "unlebendig" empfindet - so natürlich auch ich in Uppsala. Die Stadt wirkt fast menschenleer und völlig verschlafen. Zunächst.

Uppsala, Vaksalagatan

Ein typischer Straßenzug im Zentrum von Uppsala: die Vaksalagatan.

 

 

 

So widme ich meine ganze Aufmerksamkeit zunächst den architek-tonischen Sehens-würdigkeiten der Stadt: dem Schloss Uppsala, die gewaltige Kathedrale (der  "Dom St. Erik", einer Infotafel zufolge die "Church of Sweden" und die größte Kirche Skandinaviens), dem Stadtzentrum mit dem post-modernen Konzert- und Kongress-Zentrum mittendrin, sowie allgemeinen Stadteindrücken.

Uppsala, Fahrräder am Bahnhof

Fahrräder am Bahnhof von Uppsala, fast soweit das Auge reicht. Die Studentenstadt scheint ein Fahrrad-Eldorado zu sein.

 

 

 

Am Ufer des Flusses Fyrisån entlang spaziere ich mal ein Stückchen hinaus aus der Stadt. Es geht schnell, dass man die Häuser der Stadt hinter sich lässt. Schon bei der Ankunft am Bahnhof hatte ich festgestellt, dass Uppsala offenbar eine "Fahrrad-Stadt" ist. Bei den Massen der am Bahnhof geparkten Fahrräder fühlte ich mich unwillkürlich an einen Aufenthalt in Münster erinnert: alles war voller Fahrräder! Ein Fahrrad-Parkplatz am Bahnhof war selbst jetzt im tiefsten Winter proppevoll gestellt mit Rädern. Jetzt hier bei meinem Spaziergang an dem Fluss stelle dann zudem fest, dass es offenbar auch zu den Lieblingsbeschäftigungen der Einheimischen gehört, Fahrräder in, bzw. auf den teilweise zugefrorenen Fluss zu werfen. Wahre Fahrrad-Dramen spielen sich vor meinen Augen ab!

Uppsala, Altstadt

Weg entlang der Kathedrale in Uppsala.

 

 

 

Und siehe da: ab dem frühen Nachmittag erwacht die Innenstadt zu pulsierendem Leben, an diesem Sonntag Anfang Januar. In der Innenstadt breitet sich ein gelassenes Treiben aus. Für mich ungewöhnlich: An dem Sonntag Nachmittag sind, offenbar ganz gewöhnlich, alle Geschäfte geöffnet. Wahre Menschenmengen flanieren durch die Citys, auch die Cafés sind gut gefüllt. Ab 15 Uhr setzt die Abenddämmerung ein, alles versprüht eine enorme Atmosphäre und einen großen Charme. Auch die Wolkendecke hat sich mittlerweile komplett verzogen, der Himmel präsentiert mittlerweile einen wolkenlosen Himmel. Ich bedaure sehr, mit meinem fest gebuchten Ticket schon um 16 Uhr wieder im Zug nach Stockholm sitzen zu müssen - gerne hätte ich noch etwas mehr von dem angenehmen Flair Uppsalas auf- und mitgenommen.

Uppsala, Fluss Fyrisan

Abendstimung über der Fyrisån im Zentrum von Uppsala.

Uppsala, Zug im Bahnhof

Auf dem Bahnhof von Uppsala: Der Zug nach Stockholm steht bereit.

 

 

Sonne Pur im Stockholmer Winter

Wie der klare Himmel der vorangegangenen Abends schon erhoffen ließ: Der Folgetag beschert allerschönstes Winterwetter, eiskalt zwar, aber mit klarem, knallblauem Himmel. Meine Erkundigungen durch Stockholm gehen weiter - kreuz und quer führt mich der Weg durch die Stadt.

Stockholm, Strandvägen

Blick von der Djurgårds-Brücke die Edel-Wohnstraße Strandvägen entlang. Diese 1,2 km lange Straße mit seinen herrschaftlichen Stadthäusern sollte man mal entlang flanieren und auf sich wirken lassen. Und, wer weiß, vielleicht trifft man einen der vielen hier wohnen, schwedischen Promis?

 

 

 

Die Insel Djurgården strahlt eine friedliche Ruhe aus und ist bei diesem Wetter einfach nur wunderschön, sie bietet einfach unfassbar viel großartige Ausblicke. Die Museen, die auf der Insel liegen, wären ganz sicher einen Besuch wert, allerdings möchte ich dieses traumhafte Winterwetter nicht in einem Museum versäumen.

Stockholm, Blick über die Stadt

Von Södermalm aus hat man, insbesondere bei diesem milden Winterlicht, über den Riddarfjärden, die östlichste Bucht des Mälarsees, einen überwältigenden Blick über Teil Stockholms.

 

 

 

 Norrmalm wirkt auf mich reich, aufgeräumt und herrschaftlich, im Sommer bestimmt sehr grün - wie wohl eigentlich die gesamte Stadt. Die tollsten Ausblicke von Södermalm auf die Altstadt entdecke ich erst heute, und die Sonne ist dabei mein Freund und tränkt die gegenüber liegenden Stadtteile in mildes, warmes Winterlicht.

 

 

 

In Hammarby stehe ich plötzlich vor dem Stadion des über die Grenzen des Landes hinaus bekannten Klubs IF Hammarby - er genießt in Schweden den Ruf eines Underdog-Kultklubs, ähnliche wie der FC St. Pauli oder der 1. FC Union Berlin in Deutschland. Etwas "anders", etwas chaotisch, etwas links und etwas alternativ. Das Fußball-Stadion ist momentan jedoch ein Bandy-Stadion geworden: Bandy - eine rasante Mischung aus Eishockey und Hockey: Elf Spieler spielen auf einer fußballfeldgroßen Eisfläche mit Schlägern und einem kleinen Ball auf 3,50 X 2,10 m große Tore. Ein extrem schneller Sport. In Deutschland völlig unbekannt, in Schweden auch schon mal live im ersten Programm des Staatsfernsehens zu bewundern. Da der Fußball in Schweden im Winter ruht, kann man die Fußballfelder ja bestens für diesen spannenden Sport nutzen.

 

Die "längste Kunstgalerie der Welt": die Stockholmer Metro

Was mir als in Hamburg heimischer auffiel: Es gibt zwar in Stockholm, natürlich(!), jede Menge großer Straßen. Das große ABER jedoch: es gibt auch enorme Bereich im Stadtzentrum, wo man von Autos weitgehend unbehelligt ist. So etwas geht also, stellt der verblüffte Hamburger fest! Während man sich daheim immer noch verzweifelt an dem Konzept der 1950/60er Jahre festklammert, die autogerechte Stadt zu bauen, so hat man in Stockholm spürbar begriffen, dass eine Stadt nicht allein für den Autoverkehr da ist. Dies spürt man oft in Stockholm, es geht ruhiger in der Stadt zu, man fühlt sich als Mensch, die Stadt ist lebenswert!

Man hat in Stockholm auch massiv in den öffentlichen Personennahverkehr investiert. So wurden teilweise sogar stillgelegte Straßenbahnlinien wieder in Betrieb genommen - man hat dort einfach umgedacht.

Um schnell durch Stockholm zu Stockholm, Schild T-Banakommen, ist aber sicher die beste Möglichkeit die Metro. Diese hört in Stockholm nicht auf den Namen "Metro", sondern auf den Namen "Tunnelbana", oder kurz "T-bana". Die Eingänge sind durch charakteristische Markierungen erkennbar: beleuchtete Schilder mit einem großen T (siehe rechts). Und: Man sollte sie nutzen, die T-Bahn, unbedingt! Denn: sie bietet nicht nur schnelle und unkomplizierte Verbindungen in der Stadt, sondern sie rühmt sich darüber hinaus damit, die "längste Kunstgalerie der Welt" zu sein.

Und in der Tat: Allein einige U-Bahn-Stationen sind eine Besichtigung wert, man findet viele Überraschungen, originelle Einfälle, ungewöhnliche Kunstinstallationen. Einige Stationen bieten eine Art "Bergbau-Feeling", die Tunnels sind dort aus grob behauenem Stein, oft mit witzigen oder interessanten Objekten versehen. Eine ganze Weile treibe ich mit meiner Tageskarte nach Einbruch der Dunkelheit durch diese interessanten, zum Teil skurrilen U-Bahn-Stationen, immer auf der Suche nach neuen Überraschungen. Und dann, irgendwann, jedoch ganz plötzlich, wurde es mir zuviel! Diese manchmal dusteren Tunnels, diese zuweilen langen Wege durch die grob behauenen Felsen - sie schlugen mir regelrecht aufs Gemüt. Mag es für den neugierigen Betrachter ja noch ganz reizvoll sein, diese Untergrundwelt zu beobachten, so ist sie für die Einheimischen, die sie immer um sich haben, wohl irgendwann nervig düster - wenn nicht gar deprimierend. Nachdem die erste Faszination vergangen war, gefielen mir diese "Bergbau-Kunstwerke" auf Dauer jedenfalls nicht so richtig gut. Man sollte aber auf keinen Fall versäumen, sie einige U-Bahn-Stationen, speziell der blauen Linie, anzuschauen - besonders und sehr außergewöhnlich sind sie allemal!

Stockholm, Metro-Station Kungsträdgården

Wie eine historische Ausgrabungsstätte und zudem kunstvoll verziert: Die aufwändig gestaltete Metro-Station Kungsträdgården (in Stockholm heißt die Metro "T-Bahn").

Stockholm, Zug in Station

Eine U-Bahn in der Station Rådhuset. Wie man sieht, zeichnet sich Metro in Stockholm auch durch akkurate Sauberkeit aus.

 

 

Stockholm im Winter - Gedanken zum Abschluss

Ja, doch - das ist eine Stadt für mich! Besonders ist Stockholm, ohne Zweifel! Der Winter lässt Stockholm keinesfalls einschlummern. Es ist voll und lebendig in der Stadt, auch im Winter. Die Restaurants waren trotz zumeist happiger Preise überall Abend für Abend voller Gäste. Wie das wohl erst ist, wenn im Sommer die Touristen-Ströme nach Stockholm hereinbrechen? Vielleicht kann man dann ja auch draußen Platz nehmen.

Ansonsten hat mir die zurückhaltende Freundlichkeit der Einheimischen gut gefallen - ich muss es gar nicht haben, dass ich überall angequatscht werde (was ich in anderen Urlaubsländern durchaus schon erlebt hatte). Angequatscht wird man in Stockholm eher nicht, zumindest nicht im Winter. Unfreundlich ist man deswegen noch lange nicht in dieser Stadt.

Stockholm, Nachtaufnahme

Blick zur Riddarholmen, einem Teil der Altstadt.

 

 

 

Das viele Wasser, die Verteilung der Stadt auf die vielen Inseln, das hat mir sensationell gefallen! Die Lage der Stadt ist wirklich schön! Man kann ahnen, dass die Stadt insgesamt eine hohe Lebensqualität aufweist. Ich konnte, aller Kälte zum Trotz, kaum genug davon bekommen, die Blicke über die Wasserflächen aufzusaugen. Und: mit der Kamera aufzunehmen. Gegen Kälte kann man sich ja schließlich mit warmer Kleidung wappnen!

Das von mir ausgewählte Hotel erwies sich als Glücksfall: ein ruhiges Zimmer, mitten in der Innenstadt zu einem günstigen Preis. Vieles konnte ich bequem zu Fuß erlaufen, das mag ich ja am liebsten!

 

 

 

Kurzum: Stockholm im Winter hat mir im Großen und Ganzen richtig gut gefallen! Es war auch keineswegs so, dass die Tage, also die Stunden mit Tageslicht, zu kurz waren. Die Stunden Tageslicht reichten eigentlich schon völlig aus, um sich den Kopf (und auch die Kamera) mit vielen Eindrücken zu füllen. Und auch in der Dunkelheit ließen sich genügend Eindrücke sammeln - und Fotos machen. Der einzige, aber spürbare Nachteil des Winters: Es war zum Teil sehr rutschig auf den Wegen, und die keinesfalls zu vernachlässigende Gefahr durch Dachlawinen und stürzende Eiszapfen bestand fast die gesamte Zeit. Einmal, in Södermalm, donnerte zwei, drei Meter hinter mir (also etwa da, wo ich drei Sekunden zuvor noch entlang gegangen bin) ein paar etwa faust- bis rucksackgroßen Eis- und Schneebrocken vom Vordach im zweiten Stock eines fünfgeschossigen Hauses auf den Gehweg. Während ich vor Schock und Schrecken fast umgekippt wäre, schauten die drei Schweden, die ebenfalls zwei bis drei Meter entfernt vor einem Hauseingang standen und sich unterhielten, ganz gelassen auf das Spektakel. Offenbar kennen sie so etwas und sind da nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. Während ich noch beim Schreiben dieser Zeilen froh und glücklich bin, dass das Unheil so knapp an mir vorbei fiel. Allerdings: Wäre der Frost etwas schärfer gewesen, hätte es mit diesen Dachlawinen keine Probleme gegeben - aber es war während meines Aufenthaltes tagsüber halt meist um die null Grad.

Der Zeitraum des Aufenthaltes passte! Okay es hätte auch der eine oder andere Tag mehr sein können, vielleicht für das eine oder andere Museum, aber eigentlich reichten die vier Nächte als Winter-Städtereise für viele Eindrücke durchaus. Ein besonders schönes Gefühl verlieh mir die Form der Reise: Ein Geschenk von Familie, Freunden und Bekanten. Man hat mir etwas Gutes gegönnt - und das war ja noch nicht zu Ende: Direkt anschließend an den Aufenthalt ging es zu einem ähnlich kurzen Aufenthalt in den isländischen Winter nach Reykjavik (hier der Reisebericht Reykjavik).

Eigentlich schreien meine Eindrücke aus Stockholm nach einer Wiederholung - im Sommer, dann für eine Woche, wenn die Tage nicht besonders kurz sind, sondern besonders lang...

 

Auf meinen externen Seiten finden Sie bei Interesse noch eine Sammlung mit 96 großformatigen Fotos der Reise nach Stockholm mit dem Ausflug nach Uppsala.

 

 

Stockholm - Einige gemischte Bilder aus der Stadt

 

Stockholm, Polizeipräsidium

Welch schönes Gebäude in Kungsholmen: Das Polizeipräsidium von Stockholm.

Stockholm, Blick über Vasastaden

Vom Observatoriumshügel aus hat man einen schönen Blick über die Stadtteile Vasastaden und Östermalm. Charakteristisch die Kirche, die Engelbrektskyrkan.

Stockholm, Stadtbibliothek

Der markante Bau der Stadtbibliothek. Nicht nur hier fällt einem auf, was für freundliche, warme Farben in Stockholm überall gerne verwendet werden.

Stockholm, Innenstadt

Auch in der Innenstadt von Stockholm geht es bunt zu: Die eigentlich sehr hässlichen Hochhäuser an der Sveavägen werden des Nachts durch die Beleuchtung fast schon interessant.

Stockholm, Olof Palme Gedenktafel

Es zog mich zu diesem Ort: An dem Flecken, an dem 1986 der damalige Schwedische Ministerpräsident Olof Palme erschossen worden ist, ist heute eine Gedenktafel in den Plattenweg eingelassen. Noch gut kann ich mich an den Schock erinnern, als ich im Radio die Nachricht von dem Mord hörte. War doch Olof Palme einer der ganz wenigen Hoffnungsträger in der europäischen Politik Anfang der 80er Jahre - eine Zeit, in der sehr sonderbare politische Verhältnisse in Europa herrschten. Der Mord ist bis heute nicht eindeutig geklärt, bereits mehr als 130 nicht glaubwürdige Personen haben bisher den Mord gestanden...

 

 


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Dirk Matzen

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