Ein Wochenende in Szczecin (Stettin)

Ein Reisebericht eines Ausflugs nach Polen
   mit 77 Fotos




Szczecin / Stettin: Heumarkt / Rynek Sienny

Mitten in der Altstadt: der Heumarkt (Rynek Sienny). Hier finden sich etliche wunderschön wieder aufgebauten Häuser.

Manchmal ergeben sich ja Situationen, in denen man nicht so recht weiß, was man am Wochenende anfangen soll... Dann haben Freunde keine Zeit, das Kind ist nicht zu Hause, es findet kein interessantes Fußballspiel statt, man hat auch ansonsten außer Putzen nichts Wichtiges zu tun (aber das kann ja auch noch bis zum nächsten Wochenende warten...). Also: was tun?.

Das Wochenende verschlafen vielleicht? Neue Seiten für die Homepage entwerfen? Mit dem Fahrrad durch die Gegend fahren, womöglich bei Regen im kalten Vorfrühling? Oder dann doch besser putzen?

Nein, man könnte ja auch einfach mal einen Tag etwas durch die Gegend tingeln! Da bietet sich doch die Bahn an... Warum nicht mal ein Länderticket für die Bahn kaufen - es gibt ja gleich drei Möglichkeiten, die ich direkt von Hamburg aus nutzen kann: Schleswig-Holstein, Niedersachen und Mecklenburg-Vorpommern. Nach ein wenig Stöbern auf der Homepage der Bahn stellt sich schnell mein Favorit heraus: es soll nach Mecklenburg-Vorpommern gehen - und als ich dann noch lese, dass das Ticket auch noch ein Stück nach Polen hinein reicht, nämlich bis nach Szczecin (das frühere Stettin), kennt meine Reisesehnsucht kein Halten mehr. Ist doch Polen eines meiner Lieblingsländer!

Schnell steht der Entschluss: es wird aus dem einen ursprünglich geplanten Tag ein Trip über zwei Tage! Am Samstag geht es mit dem für einen kompletten Tag gültigen Ticket nach Szczecin, am Sonntag mit einem zweiten Mecklenburg-Vorpommern-Ticket wieder zurück - das Ganze für jeweils 18 Euro. Leider ist die Hauptstrecke von Lübeck nach Szczecin aufgrund von Bauarbeiten gesperrt, dann nehme ich eben den Weg mit Umsteigen in Rostock / Stralsund / Pasewalk. Die ganze Fahrt dauert dann eben gut sechs Stunden - macht ja nix, man kann ja am Samstag rechtzeitig starten...

Am Freitag zuvor buche ich im Internet noch schnell ein Hotelzimmer für lächerliche 27 Euro, incl. Frühstücksbuffet. Wie sich später herausstellt: ein tolles "Last-Minute-Angebot" in einem richtig guten Hotel, ein echter Glückgriff! Extrem günstige und attraktive Lage, ein gut ausgestattetes Zimmer (wenn auch etwas klein - aber das ist ja auch nur für eine Nacht. Und zwei Flaschen Mineralwasser mit einem Wasserkocher, Tee und Pulverkaffee ist schon eine außergewöhnliche Ausstattung), tiptop sauber, und dann ein tolles Frühstücksbuffet, das eigentlich schon allein fast den Preis wert wäre...

Aber ich greife vor - die Fahrt nach Szczecin gestaltet sich durchaus angenehm. Etwas verdattert registriere ich, wie viele Leute am Samstagmorgen um halb sieben schon im Zug nach Rostock sitzen! Vor allen Dingen junge Leute, die wohl in Hamburg die Nacht durchgefeiert oder -getanzt haben und nun eher abgeschlafft nach Hause fahren.

 

 

 

Ganz im Gegensatz zu der Wetter-vorhersage ist der Himmel knallblau und die Sonne scheint prall! Dies ändert sich dann jedoch ganz langsam mit jedem Kilometer, den ich gen Osten fahre...

Um Viertel vor Eins schließlich komme ich nach einer durchaus angenehmen Fahrt im Hauptbahnhof von Stettin - Szczecin Główny - an. Der Himmel hat noch ein paar blaue Flecken, die verschwinden jedoch binnen einer Viertelstunde komplett. Es zieht sich mehr und mehr zu, nachmittags gegen drei setzt langsam Regen ein, der im Verlauf des Tages beständig zunimmt. Abends wirkt das Ganze dann schon wie ein Dauer-Wolkenbruch. so etwas kenne ich ja! Bei den meisten meiner Stadt-Reisen laufe ich nassgeregnet durch die Gegend - da reiht Szczecin sich nahtlos ein in eine Linie mit Rom, Valencia oder Mumbai...

Man sieht das zunehmende Grau hier auf der Seite auf den Fotos, die zumeist unnatürlich blasse Farben zeigen...

Vor der Fahrt hatte ich mir im Internet gründlich den Stadtplan von Szczecin angeschaut. Vieles ist dort in rechteckigen Formen angelegt. Ohne zu wissen, wie es vor Ort nun konkret aussehen wird, merke ich mir einige markante Punkte auf dem Stadtplan. Sehr schnell registriere ich dann vor Ort, dass ich überhaupt keine Probleme habe, mich in der Stadt zurecht zu finden. Da ich noch eine gute Stunde Zeit habe, bis ich im Hotel einchecken kann, beschließe ich, schon mal eine kleine Runde durch die Stadt zu unternehmen.

Wie von allein stoße ich hierbei schon auf etliche der Sehenswürdigkeiten der Stadt... Wenn ich jedoch meinen ersten Eindruck der Stadt zusammenfassen soll, so würde der lauten: "Was ist das denn???" Ich lief durch die "Altstadt" (Stare Miasto), in der das meiste neu ist, und durch die "Neustadt" (Nowe Miasto), die einen sehr alten Eindruck macht.

Ich kenne ja bereits einige polnische Großstädte, die meisten davon im Jahr 1987 besichtigt: Poznań (Posen), Warszawa (Warschau), Kraków (Krakau), Gdańsk (Danzig), Wrocław (Breslau), Kattowice (Kattowitz), auch noch einige kleinere Städte habe ich kennen gelernt...

Aber keine dieser Städte machte auf mich einen derart bunt zusammengewürfelten Eindruck, wie Szczecin! Das mag vor allem daran liegen, dass bis auf Krakow alle diese Städte im Verlauf des Zweiten Weltkrieges mehr oder weniger komplett zerstört wurden, zumindest von den Innenstädten blieb zumeist nichts übrig. Immer jedoch hatte man sich dazu entschlossen, die zerstörten Innenstädte originalgetreu wieder aufzubauen (dies machte die polnischen Restaurateure ja letztlich auch zur unbestrittenen Nummer eins in der Welt). Anders jedoch in Szczecin! Hier entschied man sich anders, man wollte die deutsche Stadt nicht auferstehen lassen, sondern wollte sie etwas polnischer wieder erstehen lassen und sich mehr an dem östlicherem Baustil orientieren.

Szczecin / Stettin: Architekturmix

Eine solch wilde Mischung an Baustilen in der Altstadt ist durchaus charakteristisch für Szczecin.

 

 

 

Später entschloss man sich dann aber doch, einige der Sehenswürdig-keiten der Stadt wieder aufzubauen. Darüber hinaus hielt die typisch sozialistische Bauweise Einzug in Szczecin. Heraus kam ein zuweilen sonderbar anmutender Mix an Baustilen: Man findet ein paar alte, erhaltene Häuser unmittelbar neben sozialistischen Wohnblocks, direkt gegenüber womöglich eine wieder aufgebaute barocke Schönheit, das Ganze zuweilen dominiert von modernen Neubauten aus Stahl und Glas. Oftmals ist das alles bunt durcheinander vermischt - ich weiß zunächst gar nicht, was ich hiervon halten soll. Ein wenig kenne ich dies aus anderen polnischen Städten und auch so manche deutsche Stadt ist ja nicht gerade gelungen, was stadtplanerische Aspekte nach dem zweiten Weltkrieg anbelangt (um es man vorsichtig auszudrücken).

Aber das hier in Szczecin erinnert mich am ehesten noch an den Mix in Bukarest - wo die Zerstörungen der alten Substanz zwar auch durch Bombardierungen im zweiten Weltkrieg entstanden sind, allerdings noch viel mehr durch die durchgeknallten Bauphantasien eines Tyrannen.

Es ist im Übrigen keinesfalls so, dass man dem Konstrukteur der neuen Stadtstruktur in Szczecin, Stadtpräsident und gelernte Stadtplaner Piotr Zaremba, heutzutage irgendwie böse ist. Keinesfalls! Im Gegenteil: Man verehrt ihn bis heute sehr, Herr Zaremba wurde bei der Wahl des "Stettiners des 20. Jahrhunderts" durch Zeitung Gazeta Wyborcza im Jahr 2000 deutlich auf den ersten Platz gewählt. Übrigens vor zwei Deutschen: Bürgermeister Hermann Haken (1878 bis 1907) und Friedrich Ackermann, Bürgermeister und Stadtbaumeister von 1907 bis 1931.

 

 

 

Hätten sich die sowjetische Siegermacht nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 jedoch an das von ihnen selbst mitbeschlossene Potsdamer Abkommen gehalten, dann wäre Stettin deutsch geblieben. Schließlich liegt die Stadt links der in Potsdam beschlossenen Oder-Neiße-Linie als Grenze zwischen Deutschland und Polen. Zunächst hatten die Sowjets auch einen deutschen Bürgermeister eingesetzt, jedoch nach drei Wochen wieder aus dem Amt getrieben und massiv darauf hingewirkt, dass der wichtige Ostseehafen Stettin dem polnischen Gebiet zugeschlagen wurde. Aus Stettin wurde so Szczecin.

Aber zurück zu meinem Spaziergang durch die Stadt...

Bereits auf der ersten Runde gerate ich in ein Viertel, das mir von der Bausubstanz her ausgesprochen gut gefällt: Die "Neustadt". Mietbauten aus der Gründerzeit stehen aneinander, die meisten leider wenig gepflegt und durch Staub und Ruß in grauem bis schwarzem Farbton. Wenig ansprechend - aber es ist auch offenkundig, dass ein wenig Farbe wahre Wunder bewirken würde, zumindest äußerlich! Gerade das um den Platz Grunwaldzki gelegene "Pariser Viertel" bietet hier tolle Möglichkeiten - und zum Teil ist man hier auch schon dabei, umfangreiche Sanierungen durchzuführen.

 

 

 

Wenn man dort noch den wild ausufernden Autoverkehr etwas eindämmt, dann können dabei so wunderschöne Straßenzüge entstehen, wie die ul. Bogusława X. Diese ist zumindest auf einer Straßenseite schon saniert, es sind zahlreiche einladende Restaurants und Cafés eingezogen. Den Autoverkehr hat man aus der Straße rausgeschmissen: ein kurzes Stück Fußgängerzone! Auf der anderen Straßenseite stehen die Häuser bis auf die Geschäftszeilen weitgehend leer, große Tafeln klären über geplante Restaurierungen auf (durchaus treffend als "Revitalisierung" bezeichnet). Dann werden die Häuser nach vorne die alten Fassaden behalten, nach hinten zum Hof wird jedoch eine moderne Fassade die Häuser verzieren.

Keine Frage: Stadtviertel wie diese bieten große Chancen! Gut vorstellbar, dass dort in einigen Jahren "das Leben tobt". Hätte ich viel Geld - hier würde ich ohne Zweifel etwas davon investieren...

Szczecin / Stettin: ul. Bogusława X

Die ul. Bogusława X ist ein gutes Beispiel dafür, wie schön sich im "Pariser Viertel" die alten Bauten der Gründerzeit renovieren lassen. Wenn man dann auch noch den Autoverkehr, wie auf diesem Stück, zurückdrängt, dann kann das Leben wieder einkehren...

 

 

 

Weitaus weniger magisch wirkt auf mich jedoch die Altstadt - wo doch sonst in anderen Städten, nicht nur polnischen, Altstädte immer die magischen Anziehungs-punkte sind. Hier in Szczecin war die Altstadt komplett zerstört und wurde nach dem Krieg wieder erbaut - allerdings: Nicht so, wie sie zuvor aussah. Heute reiht sich hier nicht selten Bausünde an Bausünde. Die zum Teil nach alten Plänen ähnlich nachgebauten Gebäude am "Heumarkt" zeigen auf der einen Seite wunderbare barocke Fassaden - auf der anderen Seite des Marktes findet man dann viergeschossige, völlig beliebige Wohnbebauung im sozialistischen Stil, die augenscheinlich zum Teil nach der Wende noch nicht einmal Farbe gesehen hat. Man möchte weinen... Und doch gibt es direkt am Ufer der Odrą (Oder) zwei Häuserblocks mit stilvollen Gebäuden, in denen zahlreiche Gaststätten sehr einladend auf Kundschaft warten. Immerhin!

Nach und nach klappere ich dann bei ständig zunehmenden Regen die touristischen Highlights ab. Diese sind zum Teil wirklich sehr sehenswert und können in ihren Bann ziehen: Die Hakenterassen (benannt nach dem deutschen Stadtplaner und Oberbürgermeister Hermann Haken), heute Wały Chrobrego, mit den eindrucksvollen Gebäuden des Meeresmuseums, der Hochschule für das Seewesen oder dem Sitz des Wojewodschaftsamtes. Oder das Schloss der Pommernherzöge, das ich ausführlich erkunde. Nicht zuletzt die vielen Kirchen sind sehenswert, so die St. Peter und Paul, St. Jakobi, St. Adalbertkirche, Johanniskirche oder die Stahlbeton-Herz-Jesu-Kirche (der älteste Sakralbau aus Stahlbeton des Landes). Direkt um die Ecke der letzteren Kirche findet sich das Kino Pionier - es nimmt für sich an Anspruch, das älteste tatsächlich noch betriebene Kino der Welt zu sein. Dies ist zwar für mich ohne weiteres nicht nachprüfbar, es zeigt sich aber: Auch ich Szczecin ist man, wie wohl überall auf der Welt, ganz scharf auf den Superlativ...

 

 

 

Aber dann fällt mir noch etwas auf bei meinen zahlreichen Versuchen, trotz des fahlen Lichtes einigermaßen gute Fotos zu erzeugen: Es ist nicht nur grau und dunstig, sondern, verdammt nochmal!, immer stehen irgendwelche Bäume im Blickfeld! Zwar ist es noch März, und alle Bäume und Sträucher sind hier noch total kahl, aber es fällt mir trotzdem auf: Die ganze Stadt ist durchzogen von Bäumen. Es gibt zahlreiche große runde Plätze, als Kreisverkehre Knotenpunkte der Straßen, aber auch immer voller Bäume! Der Blick auf den Stadtplan zeigt darüber hinaus einige größere Grünflächen. Ergo: Szczecin ist eine außergewöhnlich grüne Stadt - angeblich die grünste (Superlativ! s.o.) Stadt Polens! Im Sommer muss das wunderbar sein.

Aber nicht nur viel Grün ist markant für Szczecin - auch das Wasser. Schließlich liegt die Stadt an der Mündung der Oder in das Stettiner Haff und somit letztlich in die Ostsee. Ein großer Seehafen beherrscht das Bild der Stadt weitgehend mit. Viel Schiffsverkehr konnte ich, in Zeiten der Weltwirtschaftskrise, allerdings nicht feststellen. Als Hamburger habe ich diesbezüglich wahrscheinlich auch eine nicht ganz vorurteilsfreie Wahrnehmung... Was ich jedoch deutlich wahrnehme, sind die Gerüche, die der böige Wind zumindest am Samstag aus Richtung Hafen zu mir herüber weht. Nicht alles ist angenehm - und auch stundenlanger Kakaogeruch wirkt irgendwann abstoßend...

Szczecin / Stettin: Hafen

Bei den Hakenterassen am Hafen - große Werbetafeln weisen auf des Projekt Szczecin 2050 hin. Gut Ding will Weile haben und in Polen ist man eh freundlich gelassen und nicht hektisch.

 

 

 

Abends um acht lasse ich mich erschöpft und ausreichend durchnässt auf mein Bett plumpsen. Eigentlich wollte ich in dem top-modernen Fernseher auf dem Zimmer dann noch das Länderspiel der deutschen Nationalmann-schaft gegen Liechtenstein anschauen, bleibe aber schon bei der Übertragung des Qualifikations-spiels Nordirland gegen Polen hängen - das mein derzeitiges Gastgeberland trotz pausenloser, drückender Überlegenheit merkwürdig und unglücklich verliert...

Auch am Sonntag bleibt es grau verhangen in Szczecin - immerhin aber regnet es nicht mehr! Grund genug, noch ein wenig mehr von der Stadt zu erkunden, sich etwas durch die am Sonntag Vormittag doch recht leeren Straßen zu treiben zu lassen. Wobei ich feststelle, dass ich das meiste Sehenswerte am Tag zuvor wirklich schon gesehen hatte. Aber doppelt hält ja bekanntlich besser - und oft zeigt der zweite Blick ja Details, die man zuvor nicht wahrnehmen konnte. Von daher ist er eigentlich immer lohnend...

 

 

 

Gegen Mittag dann steige ich auf dem Hauptbahnhof wieder in den kleinen Triebwagen-Zug, auf dem "Lübeck Hbf" als Ziel steht - wohl wissend, dass dieser aufgrund von Baumassnahmen gar nicht bis nach Lübeck fährt... Ein paar Kilometer aus der Stadt, noch auf polnischem Gebiet, schießen plötzlich und unerwartet die ersten Sonnenstrahlen durch die Bewölkung. Das heimische Hamburg empfängt mich dann sechs Stunden später mit prallem, abendlichem Sonnenschein - dafür vielen Dank!

Der Zimmerkollege meines zweimonatigen Aufenthaltes in Polen im Jahr 1987, Peter, hatte damals einen Wochenendausflug von Poznań aus nach Szczecin unternommen. Er kam zurück mit der deprimierenden Aussage, dass sich eine Fahrt dorthin nicht lohnen würde - keinesfalls! Es gäbe einfach nichts Sehenswertes, eigentlich sei alles nur Schutt. Das kann ich so, 22 Jahre später, überhaupt nicht bestätigen. Für ein Wochenende ist die Stadt allemal interessant genug. Es gibt viel zu sehen und im Sommer kommt sicher noch ein erhebliches Plus für den Wohlfühlfaktor hinzu - bei dem vielen Grün (Szczecin gilt als grünste Stadt Polens) und der Nähe des Wassers. Darüber hinaus ist es völlig unkompliziert, nach Szczecin zu fahren. Vielleicht schaue ich ja in ein paar Jahren noch mal nach, was aus der Stadt geworden ist - also muss es für mich heißen: "Do Widzenia, Szczecin - Auf Wiedersehen, Stettin!"

 

Mit diesem Link finden Sie hier auf meinen externen Seiten noch eine Sammlung mit 60 großformatigen Fotos meiner Reise nach Szczecin / Stettin - zumeist jedoch sind diese Bilder auch auf dieser Seite verwendet worden.

 

 

Rund um die Hakenterassen und den Hafen.

Szczecin / Stettin: Meeresmuseum

Hier, im üppigen Jugendstil, residieren die Abteilung Meeresmuseum des Nationalmuseum sowie das Zeitgenössische Theater.

Szczecin / Stettin: Hafen

Blick über den Hafen. Charakteristisch die beiden wuchtigen Lampenmasten...

Szczecin / Stettin: Hakenterassen

Ich war nicht ganz der einzige Tourist hier, Ende März.

Szczecin / Stettin: Wojewodschafts-Regierung

Abends im magischen Licht: die Wojewodschaftsregierung.

Szczecin / Stettin: Hochschule für das Seewesen

Die Fassade der Hochschule für das Seewesen.

Szczecin / Stettin: Verkehrsknotenpunkt am Hafen

Direkt neben den schönen Hakenterassen: Ein fetter Verkehrsknotenpunkt.

 

In der Altstadt

Szczecin / Stettin: Am Heumarkt

Ein anheimelndes Durchgang: am Heumarkt neben dem wiederaufgebauten Alten Rathaus.

Szczecin / Stettin: Brunnen auf dem Heumarkt

Ein schöner Brunnen auf dem Heumarkt.

Szczecin / Stettin: Umgebung des Schlosses der Pommernherzöge

Das Schloss - mit seiner Umgebung. Was wirkt hier denn nun eigentlich deplaziert...?

Szczecin / Stettin: Glockenturm am Schloss

Der Glockenturm am Schloss.

Szczecin / Stettin: Uhr am Schloss

... aber das ändert ja nichts an der Pracht!

Szczecin / Stettin: Kamienica Loitza (Loitz-Haus)

Da geht einem das Herz auf: Das Kamienica Loitza, das Loitz-Haus. Ein Bürgerhaus aus dem 16. Jahrhundert der in früheren Zeiten reichen und einflussstarken Familie Loitz.

Szczecin / Stettin: Neue Altbauten

Direkt an der St. Jakobi-Kirche entstehen weitere "Altbauten" - stilgerecht.

Szczecin / Stettin: Blick aus der Altstadt Richtung Neustadt

Direkt am Schloss: Blick in Richtung Neustadt.

 

Die Neustadt und das "Pariser Viertel"

Szczecin / Stettin: Pariser Viertel

Typisches Straßenbild im "Pariser Viertel" in der Neustadt.

Szczecin / Stettin: Kino Pionier

Das (angeblich) älteste noch in Betrieb befindliche Kino der Welt - mit dem treffendem Namen "Kino Pionier" und mit schicker Fassade.

Szczecin / Stettin: Zwischen Alt- und Neustadt

Straße zwischen Alt- und Neustadt. Im Hintergrund blinzelt das moderne Szczecin hinein.

Szczecin / Stettin: Palais unter dem Globus

Das "Palais unter dem Globus". Angeblich ist die Weltkugel schon diverse Male herabgestürzt...

Szczecin / Stettin: Pariser Viertel, ul. Kaszubska

Auch im "Pariser Viertel": Blick in die ul. Kaszubska.

Szczecin / Stettin: trostloses Haus

Manches wirkt aber auch eher trostlos.

 

Das moderne Szczecin

Szczecin / Stettin: Al. Wyzwolenia am Abend

Die Al. Wyzwolenia am Abend.

Szczecin / Stettin: Shopping-Center Galaxy Innenansicht

... und kunterbunt, edel bis pompös von innen.

Szczecin / Stettin: Engel der Freiheit

Der "Engel der Freiheit" - errichtet erst im Jahr 2005 im Gedenken an die Opfer des großen polnischen Werftarbeiterstreiks von 1970.

Szczecin / Stettin: Plattenbauten

Ein Musterbeispiel: Was eine frische Farbgebung doch ausmachen kann...

 

Der obligatorische "Blick nach oben"...

Szczecin / Stettin: Giebel an einer Schule

Gesehen an der Kreuzung ul. Jagiellońska / Al. Piastów.

Szczecin / Stettin: ul. Jagiellońska

Schön renoviertes Bürgerhaus in der ul. Jagiellońska.

 

Dieses und jenes...

Szczecin / Stettin: Stadtverwaltung

Die heutige Stadtverwaltung. 800 Räume birgt dieses gewaltige Gebäude - und nebenbei noch die Philharmonie.

Szczecin / Stettin: Floating Garden Szczecin 2050

Auch an der Stadtverwaltung: Das Projekt "floating garden Szczecin 2050" wird im Rahmen eines großen, pfiffigen Foto-Projektes propagiert.

Szczecin / Stettin: Platanenreihe

Der gepflegte Platz Jasne Błonia direkt hinter der Stadtverwaltung. Der Weg unter der dreifachen Platanenreihe muss vor allem im Sommer sehr schön sein! Die vielen Krokusse sind es im Frühjahr.

Szczecin / Stettin: Berliner Tor

Nein, kein verunglücktes Foto, sondern pure Absicht: Das Brama Portowa, das Hafentor - früher das "Berliner Tor". Das alte Stadttor selber ist zwar wunderschön - nur leider steht es, wie zu sehen, völlig verloren an einem gewaltigen Straßenknotenpunkt. Schade!

Szczecin / Stettin: Straßenbahn Pogon Szczecin

Eine Straßenbahn in den Farben des großen und traditionsvollen Fußballvereins Pogoń Szczecin. Dem Fußballfreund blutet das Herz: Einst einer der absoluten Zuschauermagneten des polnischen Fußballs, wurde der Club von einem größenwahnsinnigen Vereinspräsidenten mit dem Ansinnen, in dem Verein ausschließlich noch brasilianische Fußballer spielen zu lassen, total zu Grunde gewirtschaftet. Man findet sich derzeit in der vierten polnischen Liga.

Szczecin / Stettin: Bahnsteige Hauptbahnhof

Blick über Bahnsteige des Bahnhofs und auf meinen kleinen Zug Richtung Lübeck.

 

EXKURS: Wie benenne ich eigentlich polnische Städte und Plätze?

Inzwischen schon fast ein ganzes Menschenleben lang hat das polnische Staatsgebiet seine jetzige Gestalt. Lange Jahre musste das Land um die Anerkennung seiner Grenzen ringen, insbesondere die westlichen Staaten waren hierzu einige Jahrzehnte nicht bereit. Gerade in der Bundesrepublik Deutschland betonte man viele Jahre lang die Vorläufigkeit der polnischen Grenzen, erkannte die Oder-Neiße-Linie nicht an - die Endgültigkeit der jetzigen Grenze wurde sage und schreibe erst im Prozess der deutschen Vereinigung im Jahre 1990 anerkannt.

Bis dahin drückte Westdeutschland durch Nichtanerkennung der Grenze sowie dem beharrlichen Festhalten an allen deutschen Bezeichnungen aus polnischer Sicht beständig aus: das ist doch eigentlich UNSERS! In meinem Schulatlas entblödete man sich nicht, auf die im Verlauf des Krieges verlorenen Gebiete dick und fett "Zur Zeit unter polnischer Verwaltung" zu schreiben. Verständlicherweise ließ dieses Verhalten in Polen lange Zeit und beständig alle Alarmglocken schrillen. Wer weiß denn schon, wann den Deutschen denn mal wieder einfällt, sich Polen oder Teile des Landes einzuverleiben? Und sei es "nur" aus irgendwelche verquasten historischen Zusammenhängen heraus...

Mit anderen Worten: Man ist sehr sensibel in Polen, was deutsche Ansprüche an polnische Gebiete anbelangt. Vor der endgültigen Anerkennung der Grenzen waren polnische Politiker sicher noch sensibler, als heute. Es prägte sich, nicht nur in Polen, der Begriff des "Revanchismus" für bestimmte Strömungen in Deutschland, die tatsächlich solch verworrenes Gedankengut pflegen.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf ist es offenkundig, dass die Benennung polnischer Städte und Plätze immer noch geradezu ein Politikum ist! Es mag wirklich nicht von herausregender politischer Bedeutung sein, ob ich Mailand nun Milano, Lissabon dann Lisboa oder Bukarest Bucureşti nenne (wobei ich letzteres innerhalb Rumäniens tatsächlich mache...). Aber wenn ich die heutige Stadt Wroclaw beharrlich Breslau nenne, dann steckt darin eine deutliche Aussage!

Ich selber vermeide dies. Es ist für mich schlicht eine Frage des Respekts vor dem Land Polen mit seinen so gastfreundlichen Menschen, die polnischen Städte bei ihrem heutigen Namen zu nennen. Aber: Ich betone auch, dass dies meine eigene, persönliche Art, dies zu handhaben.

Also fand mein Praktikumsaufenthalt 1987 in der polnischen Stadt Poznań statt. Bei der polnischen Junioren-Leichtathletik-Meisterschaft 1987 erlebte ich viele tolle Sportler von Verein Górnik Zabrze - und nicht von Górnik Hindenburg (wie eigentlich alle westdeutsche Medien den Verein auch in den 80er Jahren noch nannten - wie absurd!!). Als ich dann durchs Land reiste, gab es kürzere Aufenthalte unter anderem in Jelenia Góra, Wałbrzych oder Karpacz. Das war für mich die Realität, so kaufte ich Fahrkarten und so erzählte ich polnischen wie deutschen Freunden davon. Dass diese Städte lange Zeit zuvor mal Hirschberg, Waldenburg und Krummhübel hießen, das erfuhr ich erst viel viel später (Karpacz sogar gerade erst in diesem Moment...), es spielte damals auch überhaupt keine Rolle im wirklichen Leben und bei meiner Reise. Die Zeit war eben schon damals lange über rückwärts gewandte Bezeichnungen hinweg geschwappt...

Um so befremdlicher und geradezu absurd wirkt es auf mich, wenn ich heute, über 60 Jahren nach Ende des Infernos, z.B. selbst auf Wikipedia über Stettin von dem Hohenzollernplatz, der Kaiser-Wilhelm-Straße oder dem Paradeplatz lese. Es mag ja noch angehen, wenn man die heutigen polnischen Bezeichnungen wörtlich übersetzt in Veröffentlichungen schreibt. Aber da konsequent an alten und längst untergegangenen Bezeichnungen festzuhalten, mutet auf mich geradezu weltfremd an - und es hilft im Übrigen auch vor Ort nicht weiter...

Anders ist dies natürlich bei der Schilderung historischer Zusammenhänge. Das Konzentrationslager stand natürlich in Auschwitz und es war eine deutsche Erfindung. Es stand sicher nicht in Oświęcim. Für mich befindet sich genau hier die Grenze: Ich bin nach Oświęcim gefahren, um mir das Konzentrationslager Auschwitz anzuschauen. Nicht im Traum käme ich heutzutage darauf, zu sagen, dass ich nach Auschwitz fahren würde, und das KZ selber hat auch nie KZ Oświęcim geheißen...

 

 


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Dirk Matzen

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